Teil eines Werkes 
1. Band (1872)
Entstehung
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Und Sie? wandte der Wucherer ſich zu der alten Frau.

Kennen Sie mich nicht mehr? lautete die Antwort.

Pierre Bandau betrachtete ſie eine Weile forſchend und ſchüttelte das kahle Haupt.

Erinnern Sie ſich nicht mehr des Mannes, der Ihnen vor fünf⸗ zehn Jahren das Leben rettete?

Hm, das iſt ſchon lange her, ſagte der Wucherer gedehnt, indem er mit den ſpitzen Fingern in ſeine Tabakdoſe griff und dabei ſtarr vor ſich hin blickte.Aber ſo dunkel ſchwebt es mir doch noch vor.

Und ich meine, es müſſe Ihnen unvergeßlich ſein, erwiderte die Frau, deren Wangen ſich höher färbten, während ihre tiefliegenden Augen ſich feſt auf das pockennarbige Geſicht hefteten.

Sie waren in die Seine geſtürzt und rangen ſchon mit dem Tode, mein Mann rettete Ihnen das Leben.

Pierre Bandau blickte auf, die letzten Worte ſchienen ihn beſtürzt zu haben.

War das Ihr Mann? fragte er zweifelnd.

Ah, Sie wollen mich nicht mehr kennen?

In der That, Madame, ich kann nicht glauben

Daß ich jene blühende, heitere Margot ſein ſoll, nicht wahr? Sie beſuchten einige Tage darauf meinen Mann, um ihm zu danken, und was war Ihr Dank?

Mein Gott, er wollte ja nichts annehmen!

Weil er ein zu edler, zu uneigennütziger Menſch war. Aber Ihre Freundſchaft, die Sie ihm anboten, nahm er an.

Er hat nie Gebrauch von ihr gemacht.

Wie ruhig Sie das ſagen! Welchen Gebrauch machten Sie von ſeiner Freundſchaft? Sie kamen zu mir, wenn er nicht daheim war, und ich war ein ſchwaches, eitles, thörichtes Weib, ich ließ mich blen⸗ den durch den Glanz des Goldes, welches Sie mir zeigten. Ja, mein Herr, das war Ihr Dank, Sie verführten die Frau des Mannes, der Ihnen das Leben gerettet hatte.

Pfui! warf Juſtine entrüſtet ein.

Der Wucherer ſchleuderte ihr einen tückiſchen Blick zu, aber im nächſten Moment glitt ein ſardoniſches Lächeln über ſeine dünnen Lippen.

Wir waren damals beide noch jung, ſagte er ſarkaſtiſch,und wenn eine Fran ſich nicht verführen laſſen will, ſo wird ſie allen

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