Freund,„aber man findet jetzt ganz Paris auf den Boulevards; es iſt alſo nicht unmöglich, daß Juſtine uns begegnet. Leg' Dich im Nebenzimmer auf's Bett, ich denke, wir kehren eher heim, ehe Du erwachſt.“
Die beiden Arbeiter gingen hinaus, Erneſt trug noch die preußiſche Uniform unter dem Mantel, die er im Hauſe des Marquis gegen eine Blouſe umtauſchen wollte.
Nachdem der Gefreite ſich in den beiden Manſarden umgeſchaut und Alles mit großem Intereſſe betrachtet hatte, wollte er eben die Thüre ſchließen, als dieſe geöffnet wurde und Madame Leroi ihr häßliches Geſicht zeigte.
Sie richtete die ſtechenden, tückiſchen Augen feſt auf den jungen Mann, der entſetzt einige Schritte zurückgetreten war.
„He, he, wieder ein neuer Miether?“ fragte ſie grinſend.
„Hol' mir der Deubel, olle Hexe, wat kümmert det Dir!“ rief der Gefreite wüthend, und im nächſten Augenblick warf er die Thüre ſo heftig zu, daß die Wände zitterten.
Er ſchob jetzt den innern Riegel vor und ging in die Nebenkammer, um den völlig erſchöpften Körper auszuruhen.
Zwanzigſtes Kapitel. Der Pakt mit dem Böſen.
Pierre Bandau war nach ſeiner Begegnung mit Erneſt ſehr ver⸗ ſtimmt heimgekehrt.
Es fehlte ihm doch manches, ſeitdem Louiſon ihn verlaſſen hatte, manche Bequemlichkeit, an die er gewöhnt war, manches, was er nicht gern entbehrte.
Es war ihm doch nicht recht, daß er ihre Stimme nicht mehr hörte, daß ihr fröhliches Lachen ihn nicht mehr erheiterte, und daß er in dem großen, düſtern Hauſe Niemanden hatte, dem er ſeine Sorgen und ſeinen Aerger klagen konnte.
Aber weit entfernt, ſich die Schuld beizumeſſen, ſchob er ſie ganz auf Segur, und das half ihm nun auch nichts mehr, denn er hatte durch den Marquis erfahren, daß der Wüſtling in der Seine er⸗ trunken war.


