Teil eines Werkes 
1. Band (1872)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

1 1

14

Paul war erſchreckt zuſammengefahren; Pierre Bandau nahm die Talgkerze aus dem Leuchter und ſtellte ſie in eine Laterne, dann ſchritt er auf die Thüre zu.

Der Marquis iſt da, ſagte er,das Signal gilt mir, wenn ich nicht irre, haben wir heute große Verſammlung, bei der Niemand fehlen darf.

Ich werde Euch begleiten, erwiderte Paul.

Der Alte nickte und ſchloß hinter dem jungen Manne die Thüre des Zimmers ſorgfältig zu.

Die Beiden ſchritten durch den langen, dunklen Hausflur und ſtiegen eine ſchmale, ſteile Treppe hinunter, auf der eine feuchte, dumpfe Luft ihnen entgegenwehte.

Dicke Mauern wölbten ſich über ihnen, der Boden unter ihren Füßen war näß und ſchlüpfrig.

Vater Bandau ſchritt mit der Laterne voran, es ſchien faſt, als ob die engen, winkligen Gänge zwiſchen den Gewölben kein Ende nehmen wollten. Dann und wann fiel der Blick Paul's auf eine mit Eiſen und ſchweren Riegeln beſchlagene Thür, er konnte ſich der Vermuthung nicht erwehren, daß dieſes alte geheimnißvolle Haus früher ein Gefängniß geweſen ſein müſſe, und er trug kein Bedenken, dieſe Vermuthung auszuſprechen.

Der Wucherer war vor einer Thüre ſtehen geblieben, und als jetzt der unſichere Schein der Laterne auf ſein pockennarbiges Geſicht fiel, erſchrak der junge Mann unwillkürlich vor dem boshaften, wahrhaft teufliſchen Ausdruck dieſes Geſichts.

He, kann es nicht noch ein Gefängniß ſein? fragte er ſarka⸗ ſtiſch.Wem der Marquis ein Quartier hinter dieſen Thüren an⸗ weiſt, der ſieht die Sonne nicht wieder.

Und Ihr ſeid der Kerkermeiſter?

Vielleicht iſt kein Kerkermeiſter nöthig; wer verhungern ſoll, be⸗ darf keiner Aufwartung und Bedienung.

Das wäre grauſam!

Parbleu, hütet Euch, daß Ihr nicht dazu verurtheilt werdet, höhnte Vater Bandau, während er die Riegel zurückſchob und das ſchwere Schloß öffnete,der Marquis macht kurzen Prozeß.

Ich fürchte ihn nicht.

Hat Mancher geſagt, der am andern Tage ſtumm wie ein Fiſch war.