Teil eines Werkes 
1. Band (1872)
Entstehung
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Die Thür knarrte in ihren verroſteten Angeln, ein ſeltſamer Con⸗ traſt bot ſich dem überraſchten Blick.

Strahlender Lichtſchein ſtrömte den Eintretenden entgegen, in dem weiten, großen Raume, deſſen Boden mit Teppichen belegt war, ſtand eine lange, mit Flaſchen und Gläſern beſetzte Tafel, und an dieſer Tafel ſaßen ungefähr zwanzig Männer aus allen Ständen.

Man ſah die Arbeiter in Blouſen neben Studenten und National⸗ gardiſten, elegant gekleidete Herren neben Bettlern, die in Lumpen gehüllt waren.

Die Mauern waren weiß getüncht, hie und da hatte eine geſchickte Hand dieſe Wände mit ſinnreichen und ſatiriſchen Carrikaturen ge⸗ ſchmückt, die entweder die kaiſerliche Familie oder die deutſchen Trup⸗ pen verſpotteten.

Vater Bandau ſchloß die Thüre hinter ſich und ſchritt durch den Raum, an der langen Tafel vorbei auf eine andere Thüre zu, an der er leiſe dreimal anpochte.

Wie von unſichtbarer Hand wurde ſofort die Thüre geöffnet, ſie fiel ebenſo raſch und geräuſchlos hinter dem alten Manne wieder zu.

Paul hatte inzwiſchen an der Tafel Platz genommen und aus

einer vor ihm ſtehenden Flaſche ein Glas mit Wein gefüllt, welches

er haſtig leerte.

Das Geſpräch an dieſem Tiſche drehte ſich einzig und allein um die Ereigniſſe des Tages. Ein Arbeiter berichtete die Befreiung Rochefort's, den das Volk aus dem Gefängniſſe geholt hatte, ein Bettler ſchilderte die Pracht in den Tullerien, ein Dritter wollte über die Flucht der Kaiſerin genau unterrichtet ſein, hier ſchimpfte Einer auf die Nationalverſammlung, dort ſchwur man dem ſiegreichen Feinde Widerſtand zu leiſten und auszuharren bis zum letzten Athemzuge.

Die tolle, an Wahnſinn grenzende Begeiſterung, die auf den Straßen herrſchte, machte auch hier ſich geltend, und dieſe Begeiſte⸗ rung weckte ſeltſamerweiſe in den Herzen der Meiſten die feſte Zu⸗ verſicht, daß Deutſchland den Frieden anbieten werde.

He, was will Preußen gegen die franzöſiſche Republik denn aus⸗ richten? rief ein Arbeiter.Sie werden zurückſchrecken, denn die Republik heißt das Volk in Waffen, die Republik iſt unbeſiegbar. Und wenn ſie kommen, ſo ſollen ſie erfahren, daß jetzt ein großes, mächtiges Volk ihnen gegenüberſteht, welches nur die Freiheit oder den Tod begehrt!