Teil eines Werkes 
1. Band (1872)
Entstehung
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Sie wird zu wählen haben zwiſchen dem Gehorſam und dem Fluch ihres Vaters.

He verlierſt Du ſo raſch den Muth?

Gewiß nicht, weder den Muth, noch die Hoffnung. Aber an⸗ genehm iſt es doch nicht, ſich auf einen hartnäckigen Kampf mit dieſem eigenſinnigen, ſtarrköpſigen Manne gefaßt machen zu müſſen.

Ich würde ehrlich und furchtlos vor ihn treten

Und Dich der Gefahr ausſetzen, mit groben Worten vor die Thüre geworfen zu werden? fiel Paul dem Freunde in's Wort. Das wäre die erſte Niederlage für mich, und ihn würde der wohl⸗ feile Sieg ermuthigen. Ich habe ein beſſeres Mittel gewählt.

Die Beiden waren jetzt auf dem Pont Neuf angekommen, jener alten und berühmten Seinebrücke, die von der Rue de Rivoli durch die Cits in die Rue Dauphine führt.

Paul blieb ſtehen, legte ſeine Hand auf den Arm des Freundes und ſah ihm forſchend in's Auge. 3

Du wirſt ſchweigen, ſagte er mit ungewöhnlichem Ernſt,ein

unbedachtes Wort aus Deinem Munde würde mir das Leben koſten.

Sieh her, wo wir hier ſtehen, iſt manches Todesurtheil vollſtreckt worden, die ſchmutzigen Wellen der Seine ſind ſchon für Manchen ein Grab geworden, der ein gefährliches Geheimniß nicht zu bewahren wußte..

Erneſt blickte beſtürzt auf.

Und Dir droht dieſelbe Gefahr? fragte er.

Ja, ſobald ich zum Verräther werde.

Dann enthülle mir lieber das Geheimniß nicht.

Paul blickte ſinnend in die ſchwarze Fluth hinunter, deren Wellen an den mächtigen Pfeilern der Brücke ſchäumend ſich brachen. Schaaren von Arbeitern, Frauen, Gamins und Nationalgarden in buntem Gemiſch wälzten ſich, die Marſeillaiſe ſingend, an den Beiden vorbei, der Maſchinenbauer ſchenkte ihnen keine Beachtung. Er ſah auch nicht, daß ein Mann, der eine Blouſe trug, ſtehen blieb und ihn eine geraume Weile ſcharf beobachtete, und daß dieſer Mann dann einem Kameraden leiſe einige Worte zuflüſterte, worauf der letztere ſich über die Baluſtrade ſchwang und unter der Brucke verſchwand.

Ah bch, das ſind thörichte Beſorgniſſe, brach er endlich das Schweigen,und Ahnungen haben keine Berechtigung. Aber es wäre ja möglich, daß mir etwas Menſchliches begegnete, und dann iſt es