Teil eines Werkes 
1. Band (1872)
Entstehung
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gutmüthig, deshalb biſt Du auch nie auf einen grünen Zweig ge⸗ kommen. Ich vertraue darauf, daß Du das Geheimniß, welches ich Dir jetzt anvertraue, mit keiner Silbe verrathen wirſt.

Du darfſt es, Paul.

Wohlan, ſo höre. In der Rue Dauphine wohnt ein alter Geizhals, ein Wucherer der ſchlimmſten Sorte, der das edle Gewerbe eines Lumpenſammlers betreibt.

Pierre Bandau, warf Erneſt ein.

Ah, Du kennſt ihn?

Wer ſollte Vater Bandau nicht kennen? Hat er nicht große Aehnlichkeit mit dem Burſchen, der vorhin den Pöbel gegen Dich hetzte?

Du haſt Recht, Vater Bandau hat auch einen Buckel, und in ſeinen grauen, ſtechenden Augen, in ſeinem gelben, pockennarbigen Geſicht ſpiegelt ſich nicht weniger Bosheit und Tücke, wie in den Augen jenes Burſchen, den der Teufel holen möge! Aber Pierre Bandau hat eine ſchöne Tochter, Erneſt. So ſeltſam das auch lauten mag, ich ſage die Wahrheit..

Und Du liebſt das Mädchen?

Ja, mein Freund. Ich rettete Louiſon vor einigen Monaten aus den Händen roher Burſchen, die ſie beſchimpfen wollten; an jenem Abend lernten wir einander kennen, und wir ſahen uns nun öfter. Vielleicht hätte ich bald daran denken dürfen, meinen eignen Heerd zu gründen, wenn der Krieg nicht ausgebrochen wäre, aber ſelbſt in dieſem günſtigſten Falle lag das Ziel mir doch noch fern. Ich bin ein armer Teufel, und Louiſon iſt das einzige Kind Pierre Bandau's.

Und Vater Bandau iſt ein reicher Mann!

Leider, ſeufzte Paul,ich darf nicht hoffen, daß er uns ſeine Einwilligung geben wird. Er will ſein ſchönes Kind theuer ver⸗ kaufen, und weshalb ſollte ihm das nicht gelingen? Am Hofe Na⸗ poleon's wimmelte es von Edelleuten und hochgeſtellten Männern, welche kein Bedenken trugen, die ſchöne Tochter eines reichen Lumpen⸗ ſammlers zu heirathen, wenn die Mitgift der Braut ihnen eine glän⸗ zende Rente ſicherte. Und dieſe Leute, die augenblicklich freilich ver⸗ ſchwunden ſind, werden eines ſchönen Tages zurückkehren und Pierre Bandau kann dann mit ſicherer Ausſicht auf Erfolg ſeine Netze auswerfen.

Aber wird Louiſon auch in dieſem Punkte ihrem Vater gehor⸗ chen? fragte Erneſt zweifelnd.