262
koſtbare Porzellanvaſen und Nippſachen, Gruppen und Statuetten ſah man überall, wohin man auch den Blick wenden mochte.
Und nun erſt die Tafel ſelbſt, an der mehr denn hundert Perſonen ſaßen!
Sie brach faſt unter der Laſt der ſilbernen, kryſtallenen und porzellanenen Gefäße, in denen die ſeltenſten Gerichte, die theuerſten Weine und die feinſten Früchte aufgetiſcht waren.
Einige zwanzig Diener wanderten hinter den Stühlen umher, bald hier, bald dort einen Gaſt bedienend, während aus einem Nebenzimmer, welches mit ſeinen Bäumen und blühenden Stauden⸗ gewächſen einem Garten glich, die heiteren Klänge der Muſik in den Saal hineinſchallten.
Und inmitten dieſes Glanzes und dieſer überladenen Pracht ſaß die Braut an der Seite ihres nunmehrigen Gatten ſtrahlend wie eine Königin.
Das Diamanten⸗Diadem auf ihrem Haupte funkelte in allen Farben, es wetteiferte mit dem Blitzen des Goldes und dem matten Glanz der Perlen, die Hals und Buſen ſchmückten. Bertha war eine blendende Schönheit, man mußte es zugeben, aber ihre Schönheit erwärmte und bezauberte nicht, ſie ließ kalt, man konnte ſie nur bewundern.
Auch Heinrich war ein ſchöner Mann, und wenn man die Beiden beiſammen ſah, mußte man geſtehen, daß ſie in allen Stücken zueinander paßten, ihre äußere Schönheit war eine trüge⸗ riſche Hülle, hinter der dünkelhafter Hochmuth und Herzloſigkeit ſich bargen.
Schon aus dem Arrangement der Tafel ging dieſer Hochmuth deutlich hervor.
Liebmann, der reiche Fabrikant und deſſen Sohn, die Freunde des erſteren, unter denen einige Commerzienräthe und Bankiers ſich befanden, ſowie die reichen Freundinnen der Braut ſaßen am oberen Ende der Tafel in der Nähe des Brautpaares, während die ſchlichten Eltern Heinrichs unten beim Comptoirperſonal vorlieb nehmen mußten.
Bertram Schenk erkannte die Abſicht und es lag in der Natur der Sache, daß ſeine ohnehin nicht ſehr zufriedene Stimmung da⸗ durch nur noch mehr getrübt wurde, während die Mutter Heinrichs in dem Glücke ſchwelgte, an der Tafel dieſes reichen Mannes
ſitzen zu dürfen.
Sie ließ es ſich auch nicht nehmen, in die Unterhaltung am oberen Ende einzugreifen, unbekümmert darum, daß ſie dadurch die Regeln des Anſtandes und der Bildung verletzte, ſie mußte doch zeigen, daß ſie berechtigt war, eine Hauptrolle bei dieſem Feſte zu übernehmen. Sie bemerkte nicht einmal, daß ſie durchaus


