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„Hm, was will das heißen!“ fuhr Schirmer achſelzuckend fort, während er emſig die Gläſer ſeiner goldenen Brille putzte.
„Liebmann iſt ein Parvenu, einer von derſelben Sorte, zu der ſein Schwiegerſohn zählt. Ich weiß übrigens aus zuverläſſiger Quelle, daß Liebmann vor ſeiner Einwilligung dem jungen Herrn ſehr ſcharf auf den Zahn gefühlt und Garantieen gefordert hat.“
„Garantieen?“ fragte Eugenie befremdet.
„Ja. Heinrich Schenk hat ſich im Ehevertrage verpflichten müſſen, ein Kapital von dreißigtauſend Thalern für ſeine Gattin zu deponiren. Liebmann hat dieſelbe Summe hergegeben, die Zinſen dieſes Geſammtkapitals bilden das Nadelgeld der jungen Frau. Kein Gläubiger kann dieſes Geld angreifen, es iſt das unbeſtrittene Eigenthum der Frau, die damit nach Belieben ſchalten und walten darf.“
„Hat denn der junge Mann ſchon ein ſo großes Vermögen ſich erworben, daß er dieſe Summe deponiren konnte?“ fragte Tante Thereſe.
„Glück— reines Glück!“ erwiderte Schirmer.„Er hat im vergangenen Herbſt und im Winter viel gewagt und viel gewon⸗ nen. Freilich es hätte ſchief gehen können, aber ich glaube nicht, daß er ſich daraus etwas gemacht haben würde. Dieſe Leute ſpielen va banque, haben ſie genug gewonnen, ſo ziehen ſie ſich zurück, um fortan von ihren Renten zu leben, verlieren ſie Alles, ſo werfen ſie um und fangen dann wieder von vorne an. Hein⸗ rich Schenk hat enorme Summen gewonnen, freilich iſt es ihm dabei ganz gleichgültig ob durch ſolche Spekulationen die noth⸗ wendigſten Lebensbedürfniſſe des Proletariats und des Arbeiter⸗ ſtandes in die Höhe getrieben werden, wenn er nur ſein Schäfchen ſcheert, die Andern mögen ſeinetwegen verhungern.“
„Aber das iſt ja entſetzlich und unverantwortlich, daß es ge⸗ duldet wird!“ ſagte Eugenie.
„Liebes Kind, der Staat darf den Handel nicht einſchränken, es gibt manchen Krebsſchaden, der nicht zu heilen iſt.— Na, nun kam noch dazu, daß ein Aſſocie Schenks ſtarb—“
„Ah— Bertram Scherenberg,“ fiel Tante Thereſe ein.
„Er war ja auch ein Hazardſpieler?“
Der alte Herr nickte.
„Und man ſagte damals, er habe ſich erſchoſſen.“
„Erſchoſſen nicht, aber man ſprach davon, er habe ſich das Leben genommen. Mag dem nun ſein, wie ihm welle, genug er ſtarb und laut Geſellſchaftsvertrag fiel ein Theil ſei&s Ver⸗ mögens an Schenk, der außerdem den Vortheil hatte, n allen ſpäteren ſehr bedeutenden Gewinnen die Hälfte ſtatt eischOrittel zu erhalten.“ ulkar


