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Auch er hegte keine Hoffnung, er würde ja an Stelle Otto's ebenſo wie dieſer und nicht anders gehandelt haben, ſo ſah er denn recht düſter und mit bangem ſchwerem Herzen in die Zukunft.
Was hatte er nun von ſeinem Reichthum?
Der Verluſt des Liebſten, was er beſaß, ſtand ihm bevor, und alle ſeine Schätze reichten nicht aus, dieſem Verluſt vorzubeugen.
Vierunddreißigſtes Kapitel.
Der Liebe Kampf.
Seitdem Karl Liebmann mit ſeiner Werbung um die Hand Eugenie's ſo energiſch zurückgewieſen war, hatte er nicht mehr gewagt, ſich noch einmal dem jungen Mädchen zu nähern.
Anfangs war er entſchloſſen geweſen, ſich an dem Bruder Eugenie's wegen der ihm widerfahrenen Schmach zu rächen, aber da er keinen Weg fand, auf welchem er dieſen Entſchluß ohne Gefahr für ſeine eigne Perſon ausführen konnte, ſo ließ er ihn einſtweilen wieder fallen, mit dem Vorſatz, eine günſtige Gelegen⸗ heit dazu abzuwarten.
Der Bankier verlor über die Werbung und deren Zurück⸗ weiſung keine Worte, er wollte den Willen und die Wahl ſeiner Tochter nicht beeinfluſſen.
Angenehm war es ihm freilich nicht, daß dieſe Wahl auf Otto Schenk gefallen ſein ſollte; Tante Thereſe wußte das ſehr genau,
denn mit ihr hatte der alte Herr zu verſchiedenen Malen ſehr ernſt darüber geredet, aber es fiel ihm nicht in den Sinn, hier energiſch einzuſchreiten, er hoffte, Eugenie werde ſelbſt einſehen, daß eine Heirath mit dem Handwerker, der es nach ſeiner Anſicht nicht viel weiter als zum Schloſſermeiſter bringen konnte, ihren Verhältniſſen und ihrer Stellung im ſocialen Leben nicht ange⸗ meſſen ſei.
Dieſe Hoffnung wurde dadurch beſtärkt, daß Eugenie nie ein Wort über den jungen Mann äußerte, daß nie ein Brief aus Frankreich an ſie ankam und daß auch die Schweſter Otto's keinen Verſuch machte, ein vertrauliches Verhältniß mit der Geliebten ihres Bruders anzuknüpfen.
Das letztere hätte ja ſehr nahe gelegen, Helene Schenk war nicht nur die Nachbarin, ſondern auch die einſtige Schulkameradin


