252—
Michelet hatte ſich erhoben; er war an's Fenſter getreten. „Mein Gott, wie wird das enden!“ ſagte er leiſe.„Ich
Brücke, was meinteſt Du damit?“
„Es iſt eine Hoffnung, freilich eine ſchwache, aber auch die letzte Hoffnung.“
„Sprich ſie aus.“
„Man müßte jene Dame zu bewegen ſuchen, freiwillig Verzicht
zu leiſten.“
Michelet ſchüttelte ablehnend das Haupt.
„Das wird Dir nicht gelingen,“ ſagte er.
„Wenn ich ihr mittheile, was hier vorgefallen iſt, wenn ich ſie einen Blick in meine Seele werfen laſſe, ſo muß ihr Zart⸗ gefühl ihr ſagen, daß ſie nicht zwiſchen mich und ihn treten darf. Und wenn Du der Tante ſchreibſt, ſo hoffe ich, wird auch dieſe ihr zureden, freiwillig zurückzutreten.“
„Und geſetzt, ſie thut es, was haſt Du erreicht?“
„Ach, dann kann Otto dieſe Verlobung, wie er es nennt, nicht mehr vorſchieben.“
„Glaubſt Du, er wird die Verzichtleiſtung annehmen? Ich glaube es nicht, Valerie, ein Ehrenmann—“
„Verſuchen wir es, Vater!“
„Wohl, ich will Deinen Wunſch erfüllen, obſchon ich voraus⸗ ſehe, daß Deine Hoffnung eine vergebliche iſt. Ich werde mit dem Freunde Otto's reden.“
„Wozu das?“
„Er ſoll mir die Adreſſe der Tante geben—“
„Ich kenne ſie.“
„Aber ich halte es für gut, durch ihn vorher etwas Näheres über die junge Dame zu erfahren.“
„Er wird ſeinem Freunde unſer Vorhaben verrathen,“ ſagte Valerie beſorgt.
„Ich werde ſorgen, daß es nicht geſchieht, ſchreibe Du den Brief an die Dame und überlaſſe mir das Andere—“
Eine Stunde ſpäter trat Nikolas in das Kabinet Michelets, in welches er durch einen Werkmeiſter beordert worden war.
Der Fabrikant ſchloß die Thüre und forderte ihn auf, Platz zu nehmen.
„Ich wünſche über Ihren Freund mit Ihnen zu reden,“ ſagte er,„Sie wiſſen wohl, daß er uns verlaſſen will und ich ver⸗ muthe, Sie kennen auch die Gründe dieſes plötzlichen Entſchluſſes?“
„Wenn Otto ſie Ihnen nicht genannt hat—“ „Er hat ſie mir genannt, Sie kennen ſie auch?“
4— tird das gte ſtü blicke mit ernſter Beſorgniß in die Zukunft, die wie eine ſchwarze V 4 Nacht vor mir liegt.— Aber Du ſprachſt ja vorhin von einer


