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deſſen ehrenhafter Charakter ihm für das Lebensglück Valerie's genügende Bürgſchaft gab.
Er ſelbſt ſprach mit Valerie darüber, er ſelbſt baute ſchon Luftſchlöſſer für die Zukunft;— daran, daß Otto die Hand der reichen Erbin ausſchlagen könne, dachte er nicht im Entfernteſten.
Freilich, die Gründe, die den jungen Mann zwangen, dies zu thun, mußte er anerkennen und ehren, wenn ſie auch ſeine Hoff⸗ nungen vernichteten und dem Herzen Valerie's eine tiefe Wunde ſchlugen.
Es war beſſer, wenn er ſein Kind darauf vorbereitete, als wenn Valerie plötzlich jene Gründe erfuhr.
Er trat in das Boudoir ſeiner Tochter und nahm anſcheinend heiter und ſorglos auf dem Fauteuil Platz.
„Otto Schenk wird uns verlaſſen,“ ſagte er, hinter der Maske einer heitern Ruhe ſeine Aufregung verbergend,„er hat mir ſo eben mitgetheilt, daß er in den nächſten Tagen abzureiſen gedenke.“
Valerie nickte. Ihre großen ſchönen Augen blickten düſter auf die Stickerei, die vor ihr lag.
„Du weißt das ſchon?“ fuhr Michelet fort.„Hat er viel⸗ leicht ſelbſt mit Dir darüber geſprochen?“
„Ja.“
„Wann?“
„Vor mehreren Wochen,“ erwiderte Valerie leiſe,„ich weiß, daß er ein Undankbarer iſt, der—“
„Liebes Kind, dieſe gewaltige Aufregung iſt unbegründet,“ fiel Michelet begütigend ihr ins Wort.„Otto iſt bereits verlobt—“
„Sagte er das?“
„Ja.“
„Dann hat er Dich betrogen, Vater, er iſt nicht verlobt.“
Michelet ſchüttelte mißbilligend das Haupt, eine düſtere Wolke glitt über ſeine Stirne.
„Weshalb ſollte er mich getäuſcht haben?“ erwiderte er.„Hat er einen Grund dazu? Er würde gewiß mit beiden Händen das Glück feſthalten, welches ihm hier geboten wird, wenn die Ver⸗ hältniſſe es ihm geſtatteten. Otto iſt ein Ehrenmann, Valerie, er darf und will ſein Wort nicht brechen, das Vertrauen ſeiner Braut nicht täuſchen. Wir müſſen das anerkennen und auf die Erfüllung des Wunſches verzichten, der, ich geſtehe es unverholen, mir ſehr, ſehr lieb geworden war. Ich hatte es mir ſo ſchön gedacht, daß Otto einſt die Leitung meines Etabliſſements über⸗ nehmen werde und vorhin noch hatte ich Gelegenheit zu erfahren, daß ſie keinen beſſeren Händen anvertraut werden kann. Aber wenn das Schickſal uns etwas verſagt, ſo müſſen wir geduldig uns fügen und Verzicht leiſten.“
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