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Nur Valerie begnügte ſich mit dieſer Beruhigung nicht, ſie opferte auch jetzt noch manche Nacht, wenn der Zuſtand des Kranken einen Rückfall befürchten ließ.
Noch manche Woche verſtrich, ehe der Arzt eine Unterhaltung erlaubte.
Die Frühlingsſonne ſchien bereits warm durch die offenen Fenſter, die Veilchen blühten bereits zwiſchen Primeln und Au⸗ rikeln, als Otto das Bett verlaſſen und im Seſſel am geöffneten Fenſter die würzige Luft einathmen durfte.
Und jetzt ließ Valerie es ſich nicht nehmen, ihm Geſellſchaft zu leiſten und mit ihm über die ſchrecklichen Tage der jüngſten Vergangenheit zu plaudern.
Otto erinnerte ſich dunkel, daß Franz Werner den Stoß ge⸗ führt hatte, aber er war zu edel, ſich an dieſem Schurken zu rächen.
Die Vagabunden, welche die Gensd'armen in jener Nacht er⸗ griffen hatten, waren bereits verurtheilt und ſtreng beſtraft wor⸗ den; es widerſtrebte dem edlen Charakter Otto's, nachträglich noch
den Mann namhaft zu machen, der jene Bande aufgewiegelt und
ihm den Dolch in die Bruſt geſtoßen hatte.
Zwar hatte die Behörde lange auf dieſen Menſchen gefahndet, Michelet, die Arbeiter in ſeinem Etabliſſement und auch die ver⸗ hafteten Vagabunden bezeichneten ihn als den Anſtifter, aber alle Nachforſchungen waren vergeblich geweſen.
Niemand ahnte, daß dieſer junge Mann und der Hausmeiſter einer gefeierten Schönheit, in deren Salon die angeſehenſten und reichſten Herren ſich verſammelten, ein und dieſelbe Perſon waren.
Auch jetzt, als Valerie ihn fragte, ob er ſich des Meuchel⸗ mörders entſinnen könne, wich Otto der Antwort aus, unter dem Vorwande, daß er dieſen Menſchen nur flüchtig geſehen habe und das Bild deſſelben ſeinem Gedächtniß entſchwunden ſei.
Dieſelbe Antwort gab er dem Beamten, der ihn beſuchte, um dieſe Frage an ihn zu richten.
Sogar Nikolas erlangte kein beſſeres Reſultat, Otto rieth ihm nur, eine Begegnung mit Werner zu vermeiden.
Die Kräfte kehrten langſam zurück; Dank der guten Pflege, der erheiternden Unterhaltung mit Valerie und der milden, ſchönen Luft erholte Otto ſich dennoch raſcher, als es unter andern Um⸗ ſtänden der Fall geweſen wäre.
Die herzliche, innige Theilnahme Valerie's, ihre rührende Sorgfalt, ihr ſchlichtes, offenherziges Weſen führten zwiſchen dem Geneſenden und ſeiner Pflegerin bald zu einer geſchwiſterlichen Vertraulichkeit, zu einem ebenſo zarten als innigen Verhältniſſe, welches die beiden Seelen immer enger an einander kettete.
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