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Bertram Schenk hatte raſch den Brief genommen, ſeine Hände zitterten, in ſeinem ganzen Weſen gab ſich eine gewaltige Aufre⸗
gung kund. „Rio de Janeiro— Konſulat,“ las er ſtotternd,„Herrn B. Schenk—— natürlich, der Brief iſt an mich adreſſirt.“
„Achtundzwanzig Groſchen Porto,“ ſagte Herz ruhig. Der Schneider und der Barbier hatten ſich raſch erhoben, ſie prüften beide Adreſſe, Siegel und Poſtſtempel, während der Wirth das Porto dem Wucherer einhändigte.
„Wird wohl das Porto werth. ſein,“ verſetzte Herz gelaſſen, „falls Sie drüben eine Erbſchaft einzuziehen haben, könnte ich
Ihnen vielleicht nützlich ſein.“
Bertram Schenk nickte; er hörte wohl die Worte, aber ihren Sinn verſtand er nicht, ſeine Seele war allzuſehr mit dem muth⸗ maßlichen Inhalte des Briefes beſchäftigt.
Und doch ſchien er die Ungewißheit der Gewißheit vorzuziehen, es war, als ob. ihm ahnte, daß dieſer Brief ſeine ſchönen Hoff⸗ nungen mit einem Schlage vernichten ſolle.—
Er nahm ſeine Brille aus dem Futteral und rieb lange und bedächtig an den Gläſern, während ſein Blick ſtier und gedanken⸗ voll auf dem Briefe ruhte.
Er ſetzte langſam die Brille auf die Naſe, leerte ſein Glas zur Hälfte und nahm darauf mit ziemlichem Geräuſch eine Prieſe, ohne die wachſende Ungeduld ſeiner theilnehmenden Freunde zu berückſichtigen.
Erſt nachdem er alle dieſe Vorbereitungen getroffen hatte, er⸗ brach er das Siegel.
Erwartungsvoll, mit fieberhafter Spannung ruhten die Blicke der beiden Freunde auf ſeinem Geſicht.
Sie ſahen, wie die Stirne ſich in Falten zog und düſtre Wolken ſich darüber lagerten; ſie mußten nun ſchon wiſſen, daß das Schreiben des Konſuls keine angenehme Nachricht enthielt.
„Es iſt bitter, ſich in ſeinen Hoffnungen betrogen zu ſehen,“ ſagte der Barbier, indem er dem niedergeſchlagenen Wirth die Hand reichte,„aber man muß es nehmen, wie es kommt, ändern kann man's nicht.“
Bertram Schenk ſchob mit einem Seufzer den Brief in die Taſche. „Ich habe auch oft darauf gerechnet, daß ich das große Loos
gewinnen würde,“ verſetzte der Schneider kopfſchüttelnd,„aber ich darum keine Feind⸗
blieb allemal derjenige, welcher—— na, ſchaft nicht! Werd's wohl noch einmal gewinnen, ſpiele ja ſogar
ein ganzes halbes Loos, wofür ich manches Andere entbehren mi. 1
— nur Geduld!“


