„Wir ſuchen Ihren Sohn,“ ſagte er in höflichem, aber feſtem Tone.„Die Flucht iſt unmöglich, wir wiſſen, daß er hier in Ihrem Hauſe iſt.“
Der Wirth fühlte inſtinktiv, daß er vor Allem ſuchen mußte, Zeit zu gewinnen.
Konnte er die Verfolgung der Flüchtlinge verzögern, ſo ge⸗ wannen die letzteren wenigſtens einen Vorſprung.
„Was liegt gegen ihn vor?“ fragte er, bald den Commiſſair, bald die Soldaten anblickend.
„Das werden Sie ſelbſt wiſſen,“ erwiderte der Beamte aus⸗ weichend, der dem Anſcheine nach nicht beabſichtigte, ſchroff und verletzend aufzutreten.
Ich weiß es in der That nicht,“ verſetzte Schenk, und es gelang ihm vortrefflich, eine Verwirrung und Beſtürzung zu heu⸗ cheln, die ſogar den erfahrenen Beamten täuſchte.
„Wie? Ihnen ſollte das unbekannt ſein?“ fuhr der Polizei⸗ commiſſair fort.„Sie wiſſen doch jedenfalls, daß Otto Schenk ſich an den aufrühreriſchen Bewegungen betheiligt hat!“
„Allerdings; er hat in den Volksverſammlungen hier und da eine Rede gehalten—“
„Und heute Morgen?“
„Nun? „Hat er mit bewaffneter Hand den Aufruhr unterſtützt und ſogar auf das Militär geſchoſſen.“
„Das kann ich nicht glauben,“ erwiderte Bertram Schenk kopfſchüttelnd,„es muß ein Irrthum ſeim“
„Verlieren wir nicht die Zeit mit leeren Redensarten,“ ſagte der Beamte ungeduldig.„Wo befindet ſich Ihr Sohn?“
„Ich weiß es nicht.“
Der Beamte gab den Soldaten einen Wink; einige von ihnen hielten die Thüren beſetzt, während die andern dem Commiſſar folgten, der ſofort alle Räume des Hauſes einer gründlichen Durch⸗ ſuchung unterwarf.
„Es iſt glücklich überſtanden,“ ſagte der Wirth, der nach eini⸗ ger Zeit zurückkehrte.„Sie haben ihn nicht gefunden und be einigen Drohungen es bewenden laſſen.“
Der Barbier athmete erleichtert auf.
„Gott ſei Dank,“ verſetzte er,„ich fürchtete ſchon, ſie würden Euch mitgenommen haben.“
Ein neuer Gaſt trat ein; ein Gaſt, der kein Recht hatte, in dieſes für die Stammgäſte reſervirte Zimmer ſo eigenmächtig ein⸗ zudringen.
Dieſer Gaſt war Jakob Herz; daß die Anweſenden ihn kann⸗ ten, mußte ihm der Unmuth in ihren Zügen verrathen.


