Jahrgang 
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Bertram Schenk ſchüttelte ſehr bedenklich ſein kahles Haupt und nahm ziemlich geräuſchvoll eine Priſe.

Was man auch vornehmen mag, es kommt in der Regel ganz anders, wie man es wünſcht, hofft und erwartet, ſagte er, während er die Tabaksdoſe energiſch ſchloß,man muß Geduld haben und der Zeit Alles überlaſſen. Es fragt ſich nun, wohin Du Dich wenden willſt, Otto, ein beſtimmtes Ziel mußt Du vor Augen haben, in's Blaue hinein zu wandern, thut ſelten gut.

Ich werde nach Paris und London gehen und dort in den mechaniſchen Werkſtätten Arbeit ſuchen, erwiderte Otto ohne Zögern.

Ich hatte es anders vor, fuhr der Wirth fort.Du weißt, daß ich Anfangs März dieſes Jahres die Nachricht erhielt, mein Bruder Friedrich in Braſilien ſei geſtorben und habe mich zum Univerſalerben ſeines Vermögens eingeſetzt. Friedrich wohnt in Ouro⸗Preto, Provinz Minas Geraes, im Diamanten⸗ und Gold⸗ lande, es iſt anzunehmen, daß er ein bedeutendes Vermögen hin⸗ terlaſſen hat. Ich habe nun direkt an den Conſul geſchrieben, aber bis heute noch keine Antwort auf meine Anfrage erhalten.

Ein Beweis, daß die ganze Geſchichte Schwindel iſt, warf Frau Bertram ſehr kategoriſch ein.Wer hat Dir damals das Mährchen mitgetheilt? Ein guter Bekannter, wie er ſich nennt! Mag wohl auch ſolch ein Saufaus und Lüdrian ſein, wie Dein Bruder, der damals auswandern mußte, weil

Mathilde! rief Bertram Schenk drohend.Mag mein Bruder bei Lebzeiten manchen dummen Streich gemacht haben, dem Todten trägt man es nicht nach. Und übrigens ſaugt das Nie⸗ mand aus den Fingern, welches Intereſſe könnte er dabei haben? Gs war nun mein Plan, Du ſollteſt hinreiſen und Dich erkun⸗ digen

Es wäre Schade um das ſchöne Geld! unterbrach Frau Bertram ihn abermals.Eine Reiſe nach Braſilien kann nicht mit fünf Silbergroſchen abgemacht werden.

Auch Heinrich gab ſein Bedenken durch ein ſehr lebhaftes Kopfſchütteln zu erkennen.

Solche überſeeiſche Erbſchaften ſind in der Regel Trugbilder, ſagte er,die alte Fabel von dem reichen Oheim in Amerika iſt 1

Wahrheit! rief der Wirth unwillig.Ihr ſeid Alle gegen mich, aber der Tag wird kommen, an welch em Ihr einſeht, daß dieſe Erbſchaftsgeſchichte kein Mährchen iſt.

In dieſem Augenblick trat Nikolas Schwarz ein, um den Freund und Kamerad abzuholen.

Die Stunde des Abſchieds hatte geſchlagen.