Klaſſe, ſind die große Pulsader der ganzen Geſellſchaft; wenn ſie einmal ſtockt, hat Alles ein Ende. Und wenn Du einſt in offe⸗ ner Equipage fährſt, hüte Dich, auf den bewußten Handwerker verachtend hinabzuſehen, Du kannſt entéhrt werden, er nicht.“
„Otto hat Recht,“ ſagte der Wirth,„wenn er auch in man⸗ cher Beziehung zu weit geht.“
„Tolle Ideen!“ ſpottete Heinrich.„Er wird bald einſehen, wie viel ſie werth ſind. Wohlan, wenn Du auch dieſes Ziel verfolgſt, ſo ſoll die Zukunft lehren, wer Recht hatte, wer es ſo weit bringt, dieſes Ziel zu erreichen! Ich ſchreite ſicher und feſt vorwärts—“
„Ueberhebe Dich nicht, Heinrich,“ warnte Helene kopfſchüttelnd, „noch biſt und haſt Du nichts.“
„Aber ich werde etwas ſein und haben!“ rief Heinrich ge⸗ reizt.„Ich möchte hören, was Herr Schirmer ſagen würde, wenn Otto mit ſeinen Ideen um die Hand der Bankiers⸗Tochter werben wollte! Ah, ich habe es wohl bemerkt, daß man das Goldſiſchchen gerne angeln möchte, und Tante Thereſe wird wohl auch deshalb vorhin ſo angelegentlich mit dem Herrn Schloſſer⸗ geſellen ſich unterhalten haben—“
„Du ſcheinſt es darauf anlegen zu wollen, mir die Galle ſo recht tief in's Blut zu treiben!“ fuhr Otto auf, der Aller Augen fragend auf ſich gerichtet ſah.„Wärſt Du nicht mein Bruder, ich würde Dir die Züchtigung angedeihen laſſen, die einem ſol⸗ chen infamen Benehmen gebührt! Verhüte Gott, daß ich je in die Lage komme, von Deiner brüderlichen Hülfe Gebrauch machen zu müſſen, viel lieber will ich an den Thüren betteln, als von einem herzloſen Bruder ein Almoſen annehmen.“
Helene und der Vater ſuchten zu vermitteln, Frau Bertram ſelbſt warf dem hochſtrebenden Commis vor, er ſei zu weit ge⸗ gangen.
Heinrich zuckte geringſchätzend die Achſeln und erwiderte, wenn man die Wahrheit nicht mehr ſagen dürfe, ſo ſei es beſſer, daß man überhaupt ſchweige.
Die Mutter wollte wiſſen, ob es wahr ſei, daß Otto ein Auge auf Eugenie Schirmer geworfen habe.
Otto verſuchte der Antwort auszuweichen, als ihm das nicht gelang, erklärte er, daß er es nie gewagt haben würde, ſich der jungen Dame zu nähern, trotzdem ſie ſeine Jugendgeſpielin ge⸗ weſen ſei und trotzdem er längſt gewußt habe, daß auch ſie eine tiefere Neigung für ihn hege. Er habe ſich vorgenommen, erſt dann um ihr Herz und ihre Hand zu werben, wenn er ihr eine Exiſtenz bieten könne, die ihrer Erziehung und ihrem Stande ent⸗ ſpreche und von dieſem Vorſatz werde er nicht abgehen.


