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ſchon einigemal mich darüber unterhalten, er iſt nicht abgeneigt, auf dieſen Plan einzugehn. Theodor Liebmann iſt ein reicher Mann, ſeine Tabakfabrik gilt für eine der erſten in unſerer Stadt, und Carl Liebmann iſt bereits der Aſſocie ſeines Vaters.“
In dem Blick, den Eugenie dem Vater zuwarf, lag eine Ent⸗ rüſtung, die ſich auf triftige Gründe zu ſtützen ſchien.
„Der Ruf des jungen Herrn Liebmann kann Dir nicht un⸗ bekannt ſein, Vater,“ erwiderte ſie, mühſam an ſich haltend,„Du aber wirſt nicht wollen, daß ich an der Seite eines ſolchen
Nenſchen mein Lebensglück verſcherzen ſoll.“
Der Bankier zuckte gleichmüthig die Achſeln.
„Die jungen Herren ſind ſchon ſeit langen Jahren keine Tugendſpiegel mehr,“ verſetzte er gelaſſen,„nichts deſtoweniger werden ſie in den meiſten Fällen gute Ehemänner. Jugend muß austoben, ſagt das Sprüchwort, es iſt beſſer, wenn ſie vor der Ehe austobt, als—“
„Und wenn dieſer Herr Liebmann wirklich ein Tugendſpiegel wäre, ein Mann, deſſen Charakter und Gemüth die ſicherſten Garantien für mein Lebensglück böten, ich könnte ihm meine Hand nicht reichen, weil ich ohne das Herz die Hand nie verſchenken werde,“ ſagte Eugenie entſchieden.
Der alte Herr ergriff ſeinen Hut, er nahm dieſen Proteſt nicht ſo leicht, wie es vielleicht mancher andere Vater an ſeiner Stelle gethan haben würde.
„Ich werde Dich wahrhaftig nicht zu einer Heirath zwingen, die Dir verhaßt iſt,“ ſagte er, und es lag etwas Treuherziges, Gewinnendes in ſeinem Tone, etwas, was dem Mädchen beweiſen mußte, daß er gerne ihrem Glück ein Opfer brachte,„aber Du kannſt auch nicht von mir fordern, daß ich eine Verlobung mit dem Schloſſergeſellen gutheißen ſoll.“
Eugenie hatte ſich erhoben, ein ſtolzes, ſelbſtbewußtes Lächeln umſpielte ihre Lippen.
„Sei verſichert, daß Otto Schenk nicht um meine Hand werben wird, ſo lange er uns nichts mehr bieten kann, als die Exiſtenz eines Schloſſergeſellen,“ erwiderte ſie.„Iſt es denn unmöglich, daß er ſich aus dieſer Unterthänigkeit emporſchwingt? Ein Mann mit ſeinen Kenntniſſen, ſeinem Talent, ein Mann, der eine beſſere Bildung genoſſen hat, als die gewöhnliche Elementarbildung, einem ſolchen Manne—“
„Gut, gut, warten wir's ab,“ fiel Schirmer ihr in's Wort, während er langſam auf die Thüre zuſchritt,„wir wollen darüber nicht ſtreiten, es geht ja doch Alles ſeinen Gang. Aber ich rathe Dir, gib Dich keinen ſanguiniſchen Hoffnungen hin, ſie trügen gar zu leicht.“


