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ſeinem Lebensberuf wählte, iſt er deshalb weniger achtbar? Er hat ſich bedeutende mechaniſche Kenntniſſe erworben, er wollte ſich in der Technik üben und dann—“
„Liebes Kind, Du entwickelſt ja eine Sachkenntniß, die mich in Erſtaunen ſetzt,“ fiel Schirmer ihr überraſcht in's Wort. „Aber hiervon ganz abgeſehen, wünſche ich nur eine Antwort auf die Frage, die ich vorhin an Dich richtete.“
„Dieſe Sachkenntniß erwarb ich mir durch die Geſpräche, welche Alfred mit ſeinem Freunde führte. Otto Schenk hat ihm ausführlich ſeine Pläne für die Zukunft mitgetheilt, und Alfred billigte ſie, weil er das Talent und die Kenntniſſe ſeines Freun⸗ des kannte. Wie es gekommen iſt, das weiß ich ſelbſt nicht, aber eines Tages ward es mir klar, daß ich den Freund meines Bruders liebte, und daß es mir unmöglich war, ſein Bild aus meinem Herzen zu verdrängen. Das war an dem Tage, an welchem er zum erſtenmale in einer Volksverſammlung auftrat, alſo vor wenigen Monaten. Ich bewunderte ihn, als ich ſeine Rede in der Zeitung las, aber ich fürchtete auch für ihn, weil ich ahnte, daß er ſich in Gefahren ſtürzte. Und je mehr meine Seele ſich nun mit ihm beſchäftigte, deſto feſter und tiefer faßte meine Liebe Wurzel. Vater, was kann das Herz dafür, wenn die Liebe ihren Einzug in daſſelbe gehalten hat? Wir ſind ſeitdem nicht mehr zuſammen gekommen, aber ich weiß, daß er meine Liebe erwidert. Die Blumen, die ich ab und zu in unſerm Garten fand, kamen von ihm, keine andre Hand hat ſie in mein Blumenbeet gepflanzt. Zur Nachtzeit iſt es geſchehn, ich habe eine Nacht geopfert, um mir Gewißheit zu verſchaffen, und dieſe Gewißheit erhalten.“
Der alte Herr hatte ſchweigend zugehört und nur dann und wann mißbilligend das Haupt geſchüttelt.
Jetzt, als Eugenie ſchwieg, hielt er in ſeiner Wanderung inne, ſein Blick ruhte nachdenklich aber ohne einen Ausdruck des Vorwurfs auf dem bleichen Antlitz des Mädchens.
„Es iſt eine harmloſe Liebelei,“ ſagte er,„eine platoniſche Spielerei, die nicht viel zu bedeuten hat. Unterbrich mich nicht, mein Kind, ich begreife und ehre die Regungen Deines Herzens und denke nicht daran, Dir einen Vorwurf über Gefühle zu machen, von denen Niemand weiß, wie ſie entſtanden ſind. Ich achte den jungen Mann, wenn ich auch Manches auszuſetzen finde, was mir nicht an ihm gefällt. Aber das ſiehſt Du ſelbſt ein, einem Schloſſergeſellen kann ich Deine Hand nicht geben, der Abſtand zwiſchen ihm und Dir iſt doch gar zu gewaltig. Es lag in meinem Plane, Dir an der Seite des jungen Herrn Liebmann eine geſicherte Zukunft zu ſchaffen, ich habe mit ſeinem Vater


