Jahrgang 
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Darüber reden wir ſpäter. Sie ſtellen eine Vollmacht aus, ich ſorge dafür, daß ihre Unterſchrift beglaubigt wird, und ſuche mir auch ein Geburtsatteſt und andere Papiere zu verſchaffen, welche Ihr Bevollmächtigter an Ort und Stelle vorlegen kann. Ja, um ganz ſicher zu gehen, werden Sie den Betreffenden ſogar notariell bevollmächtigen. Das iſt allerdings ein Kunſtſtück, ich gebe es zu, Sie müſſen ſich bei dem Notar als Bernhard Schenk geriren, aber ich denke, aus demBernhard läßt ſich ſpäter ein Bertram machen. Oder ja, ſo wird's auch gehen, ich kenne einen Notariatsſchreiber, der für fünfzig Thaler ſeine Seele dem Teufel verſchreibt, er ſoll das Inſtrument anfertigen, die Hauptſache iſt ja das Notariatsſiegel, eine unleſerliche Unterſchrift können wir ſelbſt unter das Dokument kritzeln. Mit dieſem Schriftſtück reiſt unſer Vertrauensmann hin, er müßte ein gewal⸗ tiger Eſel ſein, wenn er nicht mit dem Gelde zurückkehrte.

Dem Schreiber wollte die Unfehlbarkeit dieſes Planes noch immer nicht einleuchten.

Das iſt Alles ganz gut, ſagte er,aber liegt nicht die Möglichkeit nahe, daß Bertram Schenk heute oder morgen dem Konſul ſchreibt und Antwort auf ſeinen Brief verlangt?

Das iſt wahr, erwiderte Herz,dieſer Möglichkeit müſſen wir vorbeugen. Das Konſulatſiegel iſt unverletzt, wir können das Couvert zuſtutzen, daß die Einſchnitte wegfallen. Geben Sie Acht.

Mit einer bewundernswerthen Geſchicklichkeit löſte der Wucherer das große Siegel ſo behutſam ab, daß durchaus nichts an dem⸗ ſelben verletzt wurde. Darauf nahm er die Scheere um die Klappe des ziemlich großen Couverts zu beſchneiden.

So, ſagte er, nachdem er ſein Werk ſorgfältig geprüft und tadellos gefunden hatte,jetzt ſchneiden Sie von dem Konſulat⸗ briefe den unbeſchriebenen halben Bogen ab und ſchreiben Sie in derſelben feinen, zierlichen Handſchrift, was ich Ihnen dictiren werde. Alſo:Herrn B. Schenk in Köln. In Erwiderung Ihres Schreibens vom 10. März theile ich Ihnen mit, daß Ihr Bruder Friedrich Schenk allerdings im September vorigen Jahres geſtorben iſt, aber nichts hinterlaſſen hat, was der Rede werth wäre. Seine Hinterlaſſenſchaft hat kaum hingereicht, die Schulden und Koſten zu decken und meine ſorgfältigen Nachforſchungen haben ergeben, daß die hieſige Behörde nur beabſichtigt, Sie zur Ueber⸗ nahme der Erbſchaft zu bewegen, um Sie ſpäter zur Deckung der noch rückſtändigen Koſten und Schulden nöthigen zu können. Sie werden hieraus erſehen, daß es nur in Ihrem Intereſſe liegen kann, der Sache keine weitere Folge zu geben. Hochachtend König⸗ lich Preußiſches Konſulat, der Konſul. So, jetzt geben Sie her,