Jahrgang 
1
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Dienſte mir an, um auf dieſem Wege die Schuld zu tilgen und in Ermangelung eines Beſſern ging ich auf das Anerbieten ein, obſchon Ihre Dienſte mir ziemlich werthlos waren. Jetzt geben Sie Acht, ich werde Ihnen den Brief vorleſen, aber das ſage ich Ihnen voraus, wenn Sie etwas geerbt haben, müſſen Sie vor allen Dingen meine Forderung tilgen.

Er blickte bei dieſen Worten mit ſeinen ſtechenden Augen den Schreiber ſcharf, faſt drohend an, und Schenk gab durch ein Kopf⸗ nicken zu erkennen, daß er bereit war, auf dieſe Bedingung einzugehn.

Alſo hören Sie, fuhr der Wucherer ſort.Herrn B. Schenk in Köln. Ihre geehrte Zuſchrift vom 10. März dieſes Jahres kann ich erſt heute beantworten, weil ich ſehr umfaſſende Nach⸗ forſchungen anſtellen mußte, wenn ich Ihnen eine genügende Aus⸗ kunft über die fragliche Angelegenheit geben wollte.

Aber ich habe ja gar nicht dahin geſchrieben, warf der Schreiber überraſcht ein.

Hm, das muß doch wohl der Fall geweſen ſein, hier ſteht es ja: Ihre Zuſchrift vom 10. März

Aber ich verſichere Sie

Hören wir weiter. Es iſt richtig, daß Ihr Bruder Friedrich Schenk im September vorigen Jahres geſtorben iſt und ein Teſtament hinterlaſſen hat, in welchem er ſeinen in Köln wohnen⸗

den Bruder Bertram Schenk, oder deſſen Rechtsnachfolger zum

Univerſalerben einſetzte.

Bertram Schenk! rief der Schreiber.Ah das iſt eine Verwechslung ich wußte es ja.

Jakob Herz ſchüttelte ſein Haupt und rückte die Perrücke zu⸗ recht, die ſich verſchoben hatte.

Alſo weiter, ſagte er ruhig.Das Teſtament befindet ſich in den Händen der hieſigen Behörde, ich habe von demſelben Ab⸗ ſchrift nehmen laſſen, die Sie auf der Rückſeite dieſes Schreibens finden. Sie werden daraus das Nöthige erſehen, es iſt kurz und bündig abgefaßt und es bedarf von Ihrer Seite nur der Hierher⸗ ſendung eines Bevollmächtigten, um das Erbe in Empfang zu nehmen. Nach einer ziemlich genauen Schätzung beträgt der Werth der Hinterlaſſenſchaft mindeſtens achtzigtauſend Dollars, und ich würde ihnen rathen, ſelbſt hierher zu kommen, damit die Schwierig⸗ keiten, welche die hieſige Behörde in ſolchen Fällen gerne erhebt, leichter beſeitigt werden können. Auf meinen Schutz und that⸗ kräftigen Beiſtand dürfen Sie rechnen. Mit vorzüglicher Hoch⸗ achtung Königlich Preußiſches Konſulat, der Konſul

Na, die Unterſchrift iſt unleſerlich, fuhr Jakob Herz fort, während er gedankenvoll den Brief zuſammenfaltete,thut übri⸗ gens auch nichts zur Sache.