en
— 13—
„So ſehen Sie doch nach, wer draußen iſt,“ flüſterte der Wucherer.„Ihr Amt iſt es ja, die Thüre zu öffnen.“
„In Gottes Namen,“ erwiderte der Schreiber,„wir können ja doch den Pöbel nicht hindern, die Thüre einzurennen, wenn er das vorhat.“
Er ging zögernd, langſam hinaus; der Blick des Wucherers ruhte mit dem Ausdruck wachſenden Entſetzens auf der Thüre. Aber dieſes Entſetzen wich einer ſehr angenehmen Ueberraſchung, als ſtatt der erwarteten Barrikadenhelden ein Poſtbote eintrat.
Die erſte Frage des Wucherers galt dem Aufſtande.
„Ich verſichere Sie, es war nur ein Putſch,“ erwiderte der Beamte,„eine ganz verrückte Idee, die ſich nicht verwirklichen konnte. Na, unſer ausgezeichneter Stadt⸗Kommandant, General Engels, hat die ganze Geſchichte als eine verrückte Idee angeſehen und durch ſeine Milde unnützes Blutvergießen verhitet.— Aber ich habe hier einen Brief an Herrn B. Schenk,“ fuhr der Poſt⸗ bote fort, während er einen Brief hinlegte, deſſen Adreſſe mit Poſtſtempeln, blauen und rothen Ziffern ganz und gar bedeckt war.„B. Schenk, wenn ich nicht irre, ſind Sie der Adreſſat.“
Der Schreiber ſchüttelte nachdenklich ſ ſein hageres Haupt. Er betrachtete den Brief auf der Vorder⸗ und der Rückſeite und legte ihn dann wieder hin.
„Aus Braſilien,“ ſagte er.
„Rio de Janeiro,“ erwiderte der Beamte mit einer ſehr wich⸗ tigen und geheimnißvollen Miene.„Königlich preußiſches Conſulat, wie das Siegel ausdrücklich beſagt,— wer weiß, vielleicht eine Erbſchaft!“
„Erbſchaft?“ fragte Jakob Herz haſtig.„He— geben Sie mir einmal den Brief.“
„Ich habe keine Verwandten in Braſilien,“ ſagte der Schreiber nachdenkend.
„Hm— Sie wiſſen es vielleicht nicht,“ verſetzte der Wucherer, „Ihre Eltern ſind ſchon ſeit zwanzig Jahren todt, möglicherweiſe iſt ein Bruder Ihres Vaters nach Braſilien ausgewandert, ehe Sie geboren waren.“
„Ich weiß wahrhaftig nicht, was ich davon halten ſoll,“ ſagte der Schreiber, nachdem der Beamte ſich entfernt hatte,„wenn ein Verwandter von mir in Braſilien wohnte, würde mein Vater ge⸗ wiß darüber mit mir geſprochen haben. Sie wiſſen ja ſelbſt, wie erbärmlich unſere Verhältniſſe in den letzten Lebensjahren meines Vaters waren.“ 4
„Natürlich,“ entgegnete der Wucherer, während er die Papier⸗ ſcheere ergriff, um den Brief zu öffnen,„ſo erbärmlich, daß ich
für meine Forderung keinen Pfennig erhielt. Sie boten Ihre


