Jahrgang 
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Jakob Herz trocknete zu wiederholten Malen die gefurchte Stirn, auf der der Angſtſchweiß in hellen Tropfen perlte. Es kümmerte ihn nicht, daß ſeine fuchſige Perrücke ſich verſchob und ſeine Stirne immer höher wurde, ſo daß zuletzt der Schreiber ſich nicht enthalten konnte, laut aufzulachen.

Es war allerdings ein krampfhaftes Lachen, ein Lachen des Galgenhumors, aber es reizte und erbitterte nichts deſto weniger den Wucherer.

Natürlich, Sie können unſere Lage lächerlich finden, ſagte er ingrimmig,Sie haben ja nichts zu verlieren. Wäre ich ein ſolcher Herr von Habenichts, wie Sie, ginge ich auch auf die Barrikaden, Sie können ja nur dabei gewinnen.

Aber ſo ſehen Sie doch in den Spiegel, dann werden Sie bemerken, daß Sie eine ſehr komiſche Figur ſpielen, erwiderte der Schreiber beſchwichtigend.Du lieber Gott, ich verliere ge⸗ nug, wenn ich mein Leben verliere. Und weshalb laufe ich Ge⸗ fahr, es zu verlieren? Doch wohl nur Ihretwegen.

He was meinetwegen? keifte der alte Mann, während er ſeine Perrücke zurechtrückte.Meinen Sie, weil Sie mein Schreiber ſind? Bah, dieſen Räubern geht es ja doch nur um das Geld. Wir verlieren nur dann das Leben, wenn wir uns wider⸗ ſetzen. O grundgütiger Himmel war das nicht ein Kanonen⸗ ſchuß?

Auch der Schreiber war erſchreckt zuſammen gefahren.

Ich glaube, es war der Schlagladen, ſcotterte er,wir haben Sturm.

Dann hätten Sie den Schlagladen feſthaken ſollen, fuhr Herz fort und aus ſeinen meergrauen Augen fiel ein ſtechender Blick auf das hagere eckige Geſicht des Schreibers.Ihrer Nach⸗ läſſigkeit wegen habe ich jeden Augenblick Schreiner und Schloſſer nöthig. Horch hören Sie nicht das Getöſe der Volksmenge?

Der Schreiber ſtrengte ſein Gehörorgan an und ſchüttelte nach einer kurzen Pauſe ablehnend das Haupt.

Es ſind Kinder, ſagte er,ſie werden wohl Räuber und Soldat ſpielen.

Jakob Herz ſuchte ſeine Angſt und Aufregung durch raſches Auf⸗ und Abwandern in dem engen Raume zu bemeiſtern.He was war das?

Der ſchrille Ton der Hausglocke hatte dem alten Manne den Schreckensruf erpreßt. Die Glocke war mit unverkennbaren Zeichen der Ungeduld gezogen worden.

Herr und Diener ſtierten einander an, keiner von ihnen be⸗ ſaß den Muth, nachzuſehen, wer Einlaß begehrte. Das Schellen wiederholte ſich, zugleich wurde ungeſtüm an der Hausthüre gepocht.

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