Jahrgang 
1
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Zweites Kapitel.

Auf Schleichwegen.

Unter allen kölniſchen Bürgern, welche ſich damit beſchäftigten, Kapitalien auszuleihen, Pfänder in Verſatz zu nehmen, Wechſel zu discontiret und ähnliche gewinnbringende Geſchäfte zu be reiben, zeichnete Jakob Herz ſich durch ſeine Raffinirtheit, ſeine Herzloſig⸗ keit und ſeine Habſucht aus. Er war verachtet von Allen, die ihn kannten und doch auch geſucht von Vielen, die ihn nicht ent⸗ behren konnten.

Von ſeiner Habſucht und ſeinem ſchmutzigen Geize zeugte ſeine abgetragene, altmodiſche und unſaubere Kleidung, wie auch ſeine unfreundliche, ärmlich ausgeſtattete und nicht minder unſaubere Wohnung, und von ſeiner Hartherzigkeit, Raffinirtheit und Ge⸗ fühlloſigkeit wußte man ſo manches Beiſpiel anzuführen, daß Nie⸗ mand ſie bezweifeln konnte.

Familie beſaß er nicht. Er hatte nie eine Lebensgefährtin geſucht, das Leben eines Junggeſellen behagte ihm viel zu ſehr, als daß er die Neigung gefühlt hätte, es mit einer anderen, ge⸗ müthlicheren aber auch koſtſpieligeren Lebensweiſe zu vertauſchen.

Sein Schreiber war der Einzige, den er um ſich duldete, und wenn das Gerücht behauptete, dieſer Schreiber ſei ſein Buchhalter, ſein Koch und Hausknecht in einer Perſon, ſo behauptete es nur die Wahrheit.

Jakob Herz hatte ihn vor zwanzig Jahren gewiſſermaßen als

n Sclave für eine Schuldforderung übernommen, und wenn auch durch die Dienſte dieſes Sclaven jene Schuld längſt getilgt war,

Ider Herr noch Sclave dachten daran, ſich von einander zu trennen.

Dieſer Schreiber hieß Bernhard Schenk, war aber mit dem Wirth Bertram Schenk in keiner Beziehung verwandt, er wußte kaum, daß ein Wirth dieſes Namens in Köln wohnte.

An dem Morgen, an welchem die revolutionären Bewegungen in der heiligen Stadt ſich im Bau einiger Barrikaden Luft machten, ſaßen Jakob Herz und deſſen Schreiber hinter wohl verſchloſſenen und verriegelten Thüren.

Der Wucherer zitterte für ſeine Schätze. Bernhard Schenk, der ſehr wohl wußte, daß er als Schreiber und Faktotum dieſes Mannes eben ſo ſehr verachtet war wie dieſer, für ſein Leben.