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Otto blickte ſich um, er ſah ein, daß es eine Thorheit wäre, nur den Verſuch zu einer Vertheidignng der Barrikade zu machen.
Noch einmal forderte der Offizier zur Niederlegung der Waf⸗ fen auf, dann ließ er eine Compagnie mit gefälltem Bajonett vorrücken.
Da fiel plötzlich von der Barrikade her ein Schuß, die Kugel riß einem Soldaten den Helm vom Kopfe.
Im nächſten Augenblicke hatte die Compagnie die Barrikade erreicht, die Soldaten kletterten hinauf, ſie kamen eben noch früh genug, um zu ſehen, wie die letzten Vertheidiger in der ſtürmiſch wogenden Volksmenge verſchwanden.
Die letzten Vertheidiger waren Otto Schenk und Nikolas Schwarz, die beiden Geſellen des Schloſſermeiſters Peter Braun.
Otto hatte den Poſten behaupten wollen, ſein Kamerad aber war vernünftig genug geweſen, Freiheit und Leben der Vertheidi⸗ gung einer verlorenen Sache vorzuziehen.
Die Volksmenge öffnete ihnen raſch eine Gaſſe, die ſich ſofort wieder ſchloß, ſobald ſie die Beiden aufgenommen hatte.
Die Flüchtlinge eilten über den Altenmarkt und Heumarkt der Sevexinſtraße zu.
An dieſer Straße lag das Haus des Schenkwirthes Bertram Schenk, der ſich einer ſehr frequenten Wirthſchaft erfreute.
Es war ein kleines, aber ſehr freundliches Haus, welches die Kölner Spießbürger gerne heſuchten, weil es ſeinen Namen„zum großen Schoppen“ durch d rtreffliches Bier und gutes Maaß rechtfertigte.
Bertram Schenk, der kleine kugelrunde Herr mit den blauen Taubenaugen und dem kahlen Schädel, deſſen Glatze durch einen ſehr ſchmalen Kranz von dünnen blonden Haaren umrahmt wurde, war außerdem ein ſehr liebenswürdiger gefälliger Wirth, der es verſtand, die Stammgäſte an ſein Haus zu feſſeln. 4
Er war im Herzen Demokrat, wie ſein Sohn Otto; die Re⸗ volution in Paris und Berlin hatte ſeinen früheren ſehr loyalen Geſinnungen einen Stoß gegeben, und die Geſpräche unter ſeinen Gäſten trugen viel dazu bei, ihn mit den Forderungen der Volks⸗ partei zu befreunden.
Die Volksverſammlungen beſuchte er nicht, er ließ ſich berich⸗ ten, was in ihnen vorgefallen war, er nahm Intereſſe an Allem, aber nichts konnte ihn bewegen, ſelbſt an der Bewegung Theil zu nehmen.
Er hatte Otto oft gebeten, ſich zurückzuhalten, aber vergebens.
Jetzt kehrte Otto als Flüchtling in das Elternhaus zurück und die Möglichkeit lag nahe, daß ſeiner unbeſonnenen Handlung viele
ſchwere, trübe Stunden folgten.
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