verlieren hatten, ſuchten vergeblich die Helden der Barrikaden an⸗ zufeuern.
Man hatte ſtark darauf gerechnet, daß einzelne Bataillone und Batterien der Beſatzung übergehen würden, aber dieſe Hoffnung ſchien ſich nicht verwirklichen zu wollen; die Meiſten ſahen ein, daß ſie im Begriff ſtanden, eine nutzloſe Thorheit zu begehen, daß ſie von den Leitern des Aufſtandes dupirt und betrogen waren.
Nur Wenige blieben auf den Barrikaden, und ſelbſt dieſe Wenigen hatten den Muth zur Vertheidigung verloren.
Otto, verleitet von der falſchen, irrigen Anſicht jener Tage, daß er für eine edle und gerechte Sache ſein Leben einſetze, redete den Genoſſen zu, nicht ohne Kampf der Uebermacht zu weichen. Der Hohn und Spott des Schloſſermeiſters hatten ihn erbittert und gereizt, er wollte zeigen, daß dieſes„demokratiſche Geſindel“ ſein Leben opfern konnte für die Rechte und Freiheiten, die es forderte.
Er ſah nicht, daß Braun in ſeiner Nähe ſtand, er widmete ſeine ganze Aufmerkſamkeit den Arbeitern und Handwerksgeſellen, die ſeinen Worten lauſchten, und hier und da durch begeiſterte Zu⸗ rufe ihn unterbrachen.
Da— horch— in nächſter Nähe Trommelwirbel und Waffengeraſſel.
Einer der Arbeiter, welcher hoch oben auf der Barrikade ſtand, rapportirte, daß der Stadtcommandant an der Spitze eines In⸗ fanterie⸗Regiments ſich nähere.
Dieſe Mittheilung genügte, drei Viertel der Helden zu ſchleu⸗ niger Flucht zu bewegen, hinter der Barrikade ſtanden jetzt außer Otto und Nikolas nur noch ſechs Arbeiter, die mit alten Perkuſ⸗ ſionsgewehren bewaffnet waren.
Der Stadtkommandant ließ die Trommeln rühren und die Proklamation verleſen, laut der die Stadt Köln in Belagerungs⸗ zuſtand erklärt wurde, er forderte darauf die Anführer auf, die Barrikade niederzulegen.
Eine unüberſehbare Menſchenmenge ſtand an den Straßen⸗ ecken, nicht, um den Kampf mit dem Militair aufzunehmen, ſondern nur, um ihre Neugierde zu befriedigen.
„Es iſt aus,“ ſagte Nikolas,„das Einzige, was wir errungen haben, iſt der Fluch der Aicherlichkeit.“ 1
„Lieber ſterben, als dieſen Fluch auf uns laden!“ erwiderte Otto, bebend vor Wuth.„Kollten denn nicht unter all' dieſen Menſchen einige Dutzend ſich finden, die—“
„Ich hab' eine Frau und f Kinder zu Haus,“ fiel ein Arbeiter ihm in's Wort, währender das Gewehr hinwarf,„wenn ich todt bin, kümmert ſich keine Seele um ſie.“
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