Jahrgang 
1
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Banditen ſeid Ihr! ſchrie er,hütet Euch, noch iſt nicht aller Tage Abend, Recht und Geſetz müſſen ſiegen, die Kartätſchen werden es Euch ſchon beibringen. Otto Schenk, Euer Vater iſt auch einer von denen, die ſchon im ſchwarzen Buche ſtehen; wenn wir einmal beginnen, die Heerde von den räudigen Schafen zu ſäubern, wird's mit der Herrlichkeit Eures Vaters Schenkwirth⸗ ſchaft auch ein Ende nehmen.

Mit verſchränkten Armen, kalt und ruhig ſtand Otto dem wuthbebenden Manne gegenüber; er fürchtete ihn nicht, nach ſeiner Anſicht mußte das Volk ſiegen.

So beſtätigt ſich alſo, was ich geſtern gehört habe, woran ich aber nicht glauben konnte und mochte, erwiderte er gelaſſen. Nikolas, Euch habe ich es noch nicht geſagt, weil ich zuvor Ge⸗ wißheit haben wollte, dieſe Gewißheit finde ich jetzt in den Dro⸗ hungen dieſes Menſchen, der nichts Anderes iſt, als ein geheimer Polizeiſpion.

Meiſter Braun fuhr erſchreckt zuſammen, das hatte er nicht erwartet.

Nikolas aber, der Kamerad Otto's, trat raſch einen Schritt vor, und wie er jetzt, mit ſeiner breiten Bruſt, den mächtigen Schultern und den ſehnigen Armen vor dem kleinen Meiſter ſtand, ſchien es, als ob er Gericht über ihn halten und mit einem ver⸗ nichtenden Schlage ſeiner wuchtigen Fauſt das Urtheil über ihn fällen wolle.

Ihr mögt ſein, wer Ihr wollt und was Ihr wollt, mich küm⸗ mert es nicht, ſagte er mit ſcharfer Betonung,aber was Ihr auch thun möget, denkt an das Ende und hütet Euch, mir in den Weg zu treten. Seht Ihr dieſe Fauſt? Wohin ſie fällt, da wächſt kein Gras mehr, und wenn ſie einmal zufällig auf Euren Schädel fallen ſollte, ſo beſchwert Euch nicht über die Gehirner⸗ ſchütterung, ich habe Euch gewarnt. Kommt, Otto, bei dieſem Menſchen kann ein ehrlicher Geſelle nicht mehr arbeiten.

Otto hatte bereits das Schurzfell abgelegt und ſeinen Rock an⸗ gezogen, die Beiden verließen, ohne den Meiſter eines Blicks zu würdigen, die Werkſtätte und das Haus.

Was kümmerte es ſie, daß Meiſter Braun in ſeiner ohnmäch⸗ tigen Wuth ihnen Flüche und Verwünſchungen nachſandte!

Sie hatten ihn nie geachtet, ſeines niedrigen, ſchmutzigen Cha⸗ rakters wegen, jetzt verachteten ſie ihn.

In der Ferne wirbelten noch immer die Trommeln, ſie riefen die Bürgerwehr zu den Waffen.

Auf den Barrikaden ſtanden die Söhne des Volkes, aber von beſonderer Kampfesluſt war nichts zu bemerken.

Die wenigen Schreier, welche außer ihrem Leben nichts zu