Teil eines Werkes 
1. Band (1871)
Entstehung
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173 Vater war der Fürſt des Stammes. Er ließ uns Kindern eine ſpaniſche Erziehung geben. Wir lebten ſehr ſehr glücklich. Jetzt liegt das Glück weit hin⸗ ter mir. Dieſelbe Nacht, welche mich in Sklaverei ſtürzte, bettete meine Eltern und Geſchwiſter ins Grab. Niemand in meinem Vaterland wartet auf mich, und wenn ich ſelbſt über meine Zukunft verfügen darf, ſo ſpreche ich den Wunſch aus, daß die Sennora mich bei ſich behalten möge.

Dann bleibe und werde mir eine Freundin, antwortete Mathilde zart, indem ſie die Negerin an ſich zog und einen Kuß auf ihre Stirne drückte.

Vielleicht kann die Sennora, deren Freundſchaft ich zu verdienen ſtrebe, meine Dienſte noch brauchen, bemerkte Fiore mit einem Seitenblick auf Julius, welcher dieſen ganzen Auftritt ſo verdächtig ſcharf beobachtet hatte, daß faſt zu vermuthen ſtand, er berechne eben die Größe des Verluſtes, welcher durch die Freilaſſung der Negerin der Kaſſe ſeiner Braut zugefügt worden war.

Mathilde hatte weder das auffallende Kopfſchütteln ihres Bräutigams bemerkt, noch legte ſie jetzt der Be⸗ theurung ihrer ſchwarzen Freundin einen tiefern Sinn unter. Sie war von dem beſeligenden Gedanken, heute zwei Menſchen glücklich gemacht zu haben, noch zu ſehr erfüllt, als daß in dieſem Augenblicke irgend eine Be⸗