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Fiore ſtand, den Zügel des Maulthiers haltend, in einiger Entfernung und ſchaute ernſt auf die Gruppe der zwei Liebenden. In ihren Geſichtszügen ſpiegelte ſich ein eigenthümliches Gemiſch von inniger Theilnahme und tiefer Betrübniß ab. Sei es, daß ſie eben ihre eigene Vereinſamung mit dem Liebesbund ihrer Her⸗ rin verglich, ſei es daß ſie Julius' edler Aufwallung keinen Beſtand zutraute und für Mathilden Schlimmes fürchtete,— ſichtlich ſtritten ſich in ihrer Seele Freude und Schmerz um den Vorrang.
Mathilde war zu ſehr dem Drang ihrer Gefühle und den Aeußerungen des Geliebten hingegeben, um dieſe Anwandlung ihrer Dienerin wahrnehmen zu kön⸗ nen. Freudeſtrahlend wendete ſie ſich endlich auch ge⸗ gen die Negerin um und reichte ihr die Hand:
„Fiore, Deinen Rathſchlägen habe ich es danken, daß ich mit meiner koſtbaren Beute der Höhle des Tigers glücklich entrann. Daher trug ich nur eine heilige Schuld ab, als ich auch Dir ein Gut wieder erwarb, welches das gemeinſame und unantaſtbare Eigenthum aller Menſchen ſein ſollte.“
„Wie, Sennora“, fiel die Negerin ein, indem ihr Auge hell zu glänzen begann,„wie darf ich dieſe Worte deuten?“
„Muß ich Dir erſt ſagen, daß ich Dich nicht zu


