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Stimmung, in welche ſie ihren Gegner nun eingewiegt
wähnte, nicht unbenützt entſchlüpfen zu laſſen nnd be⸗ gann daher wieder:
„Sennore Esköobadi, ich bin hier, um den letzten Willen meiner Mutter zu vollziehen. Wahrſcheinlich wollte meine Mutter, als ein zu raſcher Tod dieſelbe an der Vollendung ihrer Rede hinderte, mir noch einen Auftrag an Sie übergeben. Ich glaube mich deſſelben nach den Abſichten der Verſtorbenen zu entledigen, in⸗ dem ich Ihnen, Sennore Eskobadi, diejenigen Gefühle des Dankes ausdrücke, die meine Mutter Ihnen nicht mehr zollen kann.“
Eskobadi ſchien die Doppeldeutung, deren dieſe Anrede fähig war, nicht zu bemerken. Mit einer ent⸗ gegenkommenden Freundlichkeit, die gegen ſein voriges Lauern und Zurückhalten draſtiſch abſtach, erwiderte er:
„Und zugleich wollte die verſtorbene Sennora mich ohne Zweifel erſuchen laſſen, dieſelben Gefälligkeiten, welche ich ihr erwies, auch auf die Tochter zu über⸗ tragen.“
Mathilde erſchrak über dieſe Wendung des Ge⸗ ſpräches, zu der ſie ſelbſt Anlaß gegeben. Jedoch erin⸗ nerte ſie ſich noch rechtzeitig, daß ihr Schrecken nicht ſichtbar werden dürfe, wenn ſie nicht Gefahr laufen wolle, in die bedenkliche Situation, welcher ſie ſo eben


