Jahrgang 
1
Einzelbild herunterladen

12

tage bangten, ſpielten die heilſamſten Weſte durch die Marmorhallen Granada's.

Der Stolz der Stadt indeß war ihre Vega, oder Ebene, die auf ſieben und dreißig Meilen im Umkreis ſich ausdehnte, von hohen Bergen umgeben. Es war ein weiter Luſtgarten, erfriſcht von zablreichen Quellen und den Silberwindungen des Tenil. Die Arbeit und Ge⸗ ſchicklichkeit der Mauren hatte die Waſſer des Fluſſes in tauſend Flüßchen und Bäche abgelenkt, und ſie über die ganze Ebene verbreitet. Wirklich, ſie hatten dieſe glück⸗ liche Gegend zu einer Höhe wunderbarer Glückſeligkeit hinaufgeſteigert, und fanden ihren Stolz darin, ſie zu ſchmücken, als wär's eine begünſtigte Geliebte. Die Ki⸗ gel waren mit Obſtgärten und Weinbergen bekleidet, die Thäler mit Anlagen eingefaßt, und die weiten Ebenen bedeckt mit fluthendem Korn. Hier ſah man in Fülle die Orange, Citrone, die Feige und Apfelſine, mit weiten Plantagen von Maulbeerbäumen, von denen man die feinſte Seide gewann. Die Rebe klimmte von Baum zu Baum, die Trauben hingen in reichen Büſcheln um des Land⸗ manns Hütte, und die Haine wurden von dem beſtändi⸗ gen Geſang der Nachtigall ergötzt. Kurz, ſo ſchön war die Erde, ſo rein die Luft, ſo heiter der Himmel dieſes anmuthigen Landes, daß die Mauren ſich das Paradies ihres Propheten in dem Theil der Himmelswölbung dach⸗ ten, welcher über dem Königreich Granada hing.(Juan Botero Benes, Relaciones Universales del Mundo.) Dieß reiche, beyölkerte Gebiet war im ruhigen Beſitz