Teil eines Werkes 
73/77 (1848) Harold, der letzte Sachsenkönig : historischer Roman / von Edward Bulwer Lytton. Aus d. Engl. von Eduard Mauch
Entstehung
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daß der ganze europäiſche Adel die Normänner als Muſter der Nachahmung betrachtete und die herrſchenden Familien mancher Länder ihre Häuſer auf deren Abkömmlinge zurückzuführen ſuchten mag es kommen, daß dieſes Merkmal noch bis auf dieſen Tag lächerlicherweiſe als ein Zeichen edler Ab⸗ ſtammung angeſehen wird. Der Normanne bewahrte dieſe Eigenthümlichkeit länger als der Däne, weil ſeine Gewohnheit als Eroberer ihn jede Hand⸗ arbeit verſchmähen ließ, wie auch das Gehen unter ſeiner Ritterwürde war, ſo lange er ein Pferd zum Reiten ſinden konnte. Der Anglo⸗Normanne(die edelſte Gattung der großen Erobererfamilie) vermiſchte ſich übrigens in Blut wie in Sitten ſo innig mit dem Sachſen, daß dieſe phyſiſche Unterſcheidung mit dem Zeitalter des Ritterthums verſchwand. Jetzt iſt das ſächſiſche Blut in unſerer höchſten Ariſtokratie über das normänniſche weit vorherrſchend, und es wäre ebenſo vergeblich, die Söhne von Haſtings und Rollo an Fuß und Hand der alten aſiatiſchen Scythen erkennen zu wollen, als wenn man ſie an dem rothbraunen Haar und den hohen Zügen dieſen ihren weiteren Ur⸗ ſprungstypen zu unterſcheiden verſuchte. Hie und da laſſen ſich noch ſolche Familienzüge bei einfachen Landedelleuten verfolgen, welche ſeit unvordenk⸗ lichen Zeiten in den mit Anglodänen bevölkerten Grafſchaften wohnen und ſelten außer der Provinz heirathen; unter den weit gemiſchteren Abkömmlin⸗ gen der größeren Landbeſitzer unſerer Peerſchaft dagegen treten die ſächſiſchen Stammmerkmale und ganz beſonders die allen germaniſchen Völkern eigenen großen Ertremitäten auffallend hervor.

P. Harold's Begräbniß.

Hier begegnen uns Zeugniſſe der widerſprechendſten Art. Der Mehrzahl der engliſchen Geſchichtſchreiber zufolge wurde Harold's Leichnam ohne Löſe⸗ geld ſeiner Mutter Githa ausgeliefert und zu Waltham beerdigt. Man er⸗ zählt ſogar eine Geſchichte von des Eroberers Großmuth, womit er einen Soldaten abdankte, der die Leiche des todten Helden mißhandelte. Wilhelm von Poitiers, des Herzogs eigener Kaplan, deſſen Schilderung der Schlacht mehr innere Wahrheit als der Reſt ſeiner Chronik zu beſitzen ſcheint, ſagt da, gegen ausdrücklich, William habe Githa's Anerbieten, den vermeinten Leichnam Harold's mit Gold aufwiegen zu wollen, zurückgewieſen und mit dem im Texte angeführten Hohne(Laßt ihn die Küſten bewachen, die er ſo wahn⸗ ſinnig vertheidigte) befohlen, ihn am Strande zu begraben unter dem Vorwand, ein Mann, der durch ſeinen Geiz und ſeine Herrſchgier die Veran⸗ laſſung geworden, daß ſo viele Erſchlagene unbeerdigt lägen, habe für ſich ſelbſt

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