Teil eines Werkes 
73/77 (1848) Harold, der letzte Sachsenkönig : historischer Roman / von Edward Bulwer Lytton. Aus d. Engl. von Eduard Mauch
Entstehung
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förmlich von dem Kirchenbanne erlöst wurde) dem bekannten Concile bei, vor welchem der berühmte Berenger, Erzbiſchof von Angers gegen den er eine polemiſche Controverſe geführt hatte, welche mehr als alles Andere ſeinen Ruf am päbſtlichen Hof befeſtigte ſeine Ketzereien über die wirkliche Gegen⸗ wart in dem Sakramente des Abendmahls abſchwor.

Im Jahre 1062 oder 1063 erhob Herzog William den Lombarden gegen deſſen eigenen Willen(denn Lanfranc liebte die Freiheit der Wiſſenſchaft auf⸗ richtig und mehr als gewöhnliche Macht) zum Abte von St. Stephan zu Caen. Von dieſer Zeit an übte er den unbeſchränkteſten Einfluß über ſeinen ſtolzen Gebieter. Der gleichzeitige Hiſtoriker Wilhelm von Poitiers ſagt:William reſpektirte ihn wie einen Vater, ehrte ihn wie einen Lehrer und liebte ihn wie einen Sohn oder Bruder. Er vertraute ihm alle ſeine Plane und über⸗ ließ ihm die oberſte Leitung der Kirchenverordnungen in der ganzen Norman⸗ die. Nicht weniger ausgezeichnet durch ſeine praktiſche Gewandtheit in Ge⸗ ſchäften als durch ſeine ſeltene Frömmigkeit und theologiſche Gelahrtheit er⸗ reichte Lanfrane wirklich das ächte Ideal eines Gelehrten, welchem nichts was menſchlich iſt fremd ſeyn ſollte, deſſen Cloſet blos eine Eremitenzelle iſt, wenn es nicht anvers zu einem Mikrokosmus wird, der den Markt wie das Forum umfaßt des Gelehrten, der mit dem reflektiven Theile ſeiner Natur die höhere Region der Philoſophie erfaßt, durch den thatkräftigen aber in den Hauptbrennpunkt des Handelns gezogen wird, denn Gelehrſamkeit iſt blos die Mutter der Ideen und dieſe ſind die Erzeuger der That.

Nach der Eroberung wurde Lanfranc als Prälat von Canterbury der zweite Mann im Königreiche ein Glück für England wäre es vielleicht ge⸗ weſen, wenn er der erſte geworden wäre, denn alle Anekdoten über ihn be⸗ weiſen eine tiefe aufrichtige Theilnahme für die unterdrückte Bevölkerung. Allein William, der König der Engländer, ſtand nicht mehr unter demſelben Einfluſſe, wie ihn Lanfranc über den Herzog der Normannen geübt hatte. Der Gelehrte hatte den Ehrgeizigen gekräftigt und vermochte nur noch wenig über den Eroberer.

Lanfranc war freilich kein fehlerloſer Charakter: er war Prieſter, Ad⸗ vokat und Weltmann drei Rollen, welche beſonders im eilften Jahrhundert nur ſchwer zur Vollkommenheit zu verſchmelzen waren. Aber er ſteht jeden⸗ falls ſowohl in der Ueberlegenheit ſeiner Tugenden, wie in dem Freiſeyn von den gewöhnlichen Laſtern in glänzendem rieſengroßem Gegenſatze gegen den normänniſchen Geſchichte verſchieden angegeben, fällt aber nach den Meiſten 105152. Pluquet ſagt in einer Note zu ſeiner Ausgabe des Roman de Rou, die Chronik von Tours ſey die einzige Autorität für das Datum dieſer Ver⸗ heirathung, und dort wird das Jahr 1053 angeführt. Es ſcheint, die päbſt⸗ liche Exkommunikation wurde erſt 1059 förmlich zurückgenommen und die ei⸗ gentliche Dispenſation zur Che nicht früher als 1063 extheilt.