Teil eines Werkes 
73/77 (1848) Harold, der letzte Sachsenkönig : historischer Roman / von Edward Bulwer Lytton. Aus d. Engl. von Eduard Mauch
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Die Gruft zu Waltham hätte die treue Aſche der Verlobten aus⸗ geſchloſſen, deren Herz am Buſen des gefallenen Todten gebrochen war; ſanfter war ihr das Grab unter der Kuppel des Himmels und geheiligt durch den bräutlichen Todtengeſang der ewigrollenden Meereswogen.

So ließ Mallet de Graville mit jenem Sinne für Poeſie und Liebe, der bei einem normänniſchen Ritter einen Theil ſeiner Re⸗ ligion ausmachte, die edlen Entſeelten, die das Leben getrennt hatte, wenigſtens im Tode vereinen. Am Meeresufer, nicht weit von der Stelle, wo William an's Land geſprungen war, auf dem geweihten Begraͤbnißgrunde, der eine kleine ſächſiſche Kapelle einſchloß, umfing ein Grab die beiden Verlobten, während die Gruft zu Waltham blos einen leeren Namen ehrte.*

Acht Jahrhunderte ſind dahingegangen, und wo iſt der Nor⸗ manne wo der Sachſe? Die kleine Urne, welche für den mächtigen Exroberer genügte,* iſt ſogar ihres Staubes beraubt; aber der grab⸗ loſe Schatten des königlichen Freien bewacht noch immer die Küſten und ruht auf den Wogen. Auf manchem geräuſchloſen Felde, Ihr ſächſiſchen Helden, haben Eure Hinterbliebenen mit Gedanken ſtatt der Armeen den Sieg von den normänniſchen Ueberwindern zurückerobert, und ſo oft die Freiheit mit beſſerem Glücke der Gewalt widerſteht, ſo oft die Gerechtigkeit, die alte Niederlage ſühnend, den bewaffneten Betrug, der das Unrecht heiligen möchte, niederwirft ebenſo oft magſt Du lächeln, o Seele unſeres ſächſiſchen Harold's, befriedigt lächeln über dem ſächſiſchen Volke!

* Note P. ** Rex magnus parva jacet hic Guilielmus in urna, Sufficit et magno parva Domus Domino. (Wilhelm der große König in kleiner Urne hier liegt er, Iſt das Haus auch nur klein, reicht's für den mächtigſten Herrn.)

So lautet des Eroberers Grabſchrift bei Gemiticen. Seine Gebeine ſollen mehrere Jahrhunderte ſpäter ausgegraben worden ſeyn. 3