Teil eines Werkes 
73/77 (1848) Harold, der letzte Sachsenkönig : historischer Roman / von Edward Bulwer Lytton. Aus d. Engl. von Eduard Mauch
Entstehung
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öffnete die Falten und auf der Bruſt dicht über dem verſtummten Her⸗ zen war mit altſächſiſchen Buchſtaben das Wort EDJITH A und darunter mit friſcherer Handſchrift der Name ENGLAND einpunk⸗ tirt.„Seht, ſeht!“ rief ſie in herzzerreißendem Tone, und den Todten in ihre Arme faſſend, küßte ſie ſeine Lippen und rief ihm laut mit Worten der zärtlichſten Liebkoſung, als ob ſie den Liebenden an⸗ redete.

Alle Anweſenden wußten jetzt, daß ihre Nachforſchung zu Ende war; Alle wußten, daß die Augen der Liebe den Todten erkannt hatten.

„Vermählt, vermählt,“ murmelte die Verlobte;„endlich ver⸗ mählt! O Harold, Harold! die Schickſalsſchweſtern waren treu und gütig,“ und ihr Haupt ſanft auf die Bruſt des Todten legend, lächelte ſte und verſched.——————————

Am Oſtende des Chors in der Abtei zu Waltham zeigte man lange das Grab des letzten Sachſenkönigs, mit den rührenden Worten — Harold Infelix“— überſchrieben. Aber nicht unter dieſem Steine (ſo ſagt wenigſtens derjenige Chroniſt, der die Wahrheit am beſten wiſſen ſollte)** verweste der Staub des Mannes, in deſſen Grabe ein Abſchnitt der menſchlichen Geſchichte beerdigt lag.

„Sein Leichnam möge die Küſte bewachen, welche ſein Leben ſo wahnſinnig vertheidigte,“ ſagte William der Normanne.„Laßt die Meereswogen ſeine Todtenklage heulen und ſein Grab umgürten; ſein Geiſt möge das Land beſchützen, das jetzt an die Herrſchaft der Normannen übergegangen.“

Mallet de Graville billigte das Wort ſeines Herrn, denn ſein ritterliches Herz verwandelte den geheimen Hohn in Ehre, und er wußte wohl, daß Harold ſich keinen Begräbnißplatz hätte wählen können, der ſeines engliſchen Geiſtes und ſeines ächten Römertodes würdiger geweſen wäre.—

*„Harold, der Unglückliche.“ ** Der Normanne Wilhelm von Poitiers, Harold's Zeitgenoſſe.— S. Note P.