Teil eines Werkes 
73/77 (1848) Harold, der letzte Sachsenkönig : historischer Roman / von Edward Bulwer Lytton. Aus d. Engl. von Eduard Mauch
Entstehung
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„Bei den Gebeinen der heiligen Valery,“ rief William nach einer Pauſe, worin ſein ſcharfes ſchwarzes Auge den düſtern Ausdruck auf dem ſanften Angeſicht des Königs beobachtet hatte,„es nimmt mich nur gewaltig Wunder, wie ſelbſt ſo heilige Gegenwart dieſe bar⸗ ſchen, nichtswürdigen Worte ohne Zorn anzuhören vermag. Beim Himmel, auch wenn die ſtolzeſte dame der Normandie(und dafür halte ich das Weib des ſtattlichſten meiner Barone, William Fitzos⸗ borne’s) alſo zu mir geſprochen hätte—“

„So würdeſt Du gethan haben wie ich, mein Bruder,“ fiel Ed⸗ ward ein;„Du hätteſt unſern Herrn gebeten, ihr zu verzeihen und wäreſt mitleidig weiter geritten.“

Williams Lippen bebten vor Zorn, aber er drängte die Antwort, die ihm auf der Zunge ſchwebte, zurück, indem er ſeinen fürſtlichen Genoſſen voll Zuneigung— und dieſe iſt ja von Natur mehr zur Be⸗ wunderung als zur Verachtung geneigt,— betrachtete. So ſtolz und grauſam auch des Herzogs Thaten waren— ſein Glaube war dennoch aufrichtig, und während dies den Prinzen hauptſächlich zu dem frommen Edward hinzog, beugte ſich derſelbe auf der andern Seite mit jener Art unwillkürlicher, abergläubiſcher Huldigung vor dem Manne, der die Handlungen dem religiöſen Glauben anzupaſſen ſuchte. Man wird bei heftigen ſtürmiſchen Geiſtern immer die Er⸗ fahrung machen, daß ein ſanftes Gemüth, das ſtark gegen ſie kontraſtirt, ſich auffallend in ihre Neigungen einſchmeichelt. Nur dieſes Princip der menſchlichen Natur vermag die enthuſiaſtiſche Er⸗ gebung zu erklären, wie ſie die milden Leiden des Erlöſers bei den wildeſten Verwüſtern des Nordens erweckten; ja mit der Wildheit des Kriegers ſtand oft gerade ſeine Liebe zu jenem göttlichen Ebenbilde im Verhältniß, über deſſen Leiden er weinte, zu deſſen Grabe er barfuß wanderte, deſſen Beiſpiel in mitleidsvoller Verſöhnlichkeit zu folgen er aber gleichwohl an ſich ſelbſt als die größte Niederträchtigkeit be⸗ trachtet hätte.

„Nun ſchwöre ich Dir, bei der Gebenedeiten, ich ehre und liebe