Teil eines Werkes 
73/77 (1848) Harold, der letzte Sachsenkönig : historischer Roman / von Edward Bulwer Lytton. Aus d. Engl. von Eduard Mauch
Entstehung
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Die Ausſtattung des Zimmers deutete auf den Rang und die Wohlhabenheit des Beſitzers. Damals war nämlich der häusliche Lurus des Reichen weit größer, als man in der Regel angenommen hat: der Fleiß der Frauen ſchmückte Wände und Geräthe mit Nadelarbeit und Vorhängen, und gleichwie ein Than durch den Verluſt ſeiner Lände⸗ reien auch ſeinen Rang einbüßte, ſo behielten die höheren Klaſſen einer mehr auf Reichthum als Geburt ſich gründenden Ariſtokratie gewöhn⸗ lich einen Theil ihrer übrigen Schätze bei, welche ſonſt in die Bazars des Orients und auf die nähern Märkte von Flandern und dem ſarazeni⸗ ſchen Spanien wanderten.

In dieſem Gemache waren die Wände mit reichgeſtickten ſeidenen Vorhängen drappirt. Auf einem Schenktiſche ſtanden Trinkhörner, in Silber gefaßt, und ſogar einige Gefäſſe aus purem Gold. Ein klei⸗ ner runder Tiſch in der Mitte wurde durch ſonderbar geſchnitzte ſym⸗ boliſche Ungeheuer geſtützt. An der einen Wand ſaßen auf einer lan⸗ gen Bank ein halb Dutzend Hausmägde, mit Spinnen beſchäftigt; ferne von ihnen und nahe am Fenſter ſah man eine hochbetagte Frau von eigenthümlicher majeſtätiſcher Miene und Haltung. Auf einem kleinen Dreifuß vor ihr lag eine Runenhandſchrift mit einem Tinten⸗ zeug von eleganter Form nebſt ſilbernem Schreibgriffel. Zu ihren Füßen kauerte ein kaum ſechzehnjähriges Mädchen, deſſen ſchönes lan⸗ ges Haar, über der Stirne geſcheitelt, weit über ihre Schultern herab⸗ fiel. Ihre Keidung war eine linnene Untertunika mit langen Aermeln, welche hoch zu Hals hinaufreichte, und ohne all' die modernen kunſt⸗ reichen Zwangsanſtalten durch den einfachen Gürtel die ſchlanken Verhältniſſe und den zarten Umriß des Mädchens hervorhob. Die Farbe dieſer Tracht war das reinſte Weiß, nur an den Bordüren reich geſtickt.

Die Schönheit der Kleinen grenzte wirklich ans Wunderbare, denn ſogar in einem Lande, das durch ſeine ſchönen Frauen ſprüchwörtlich geworden, hatte ſie ihr bereits den Namen derSchönen erworben. Bei ihr vereinigten ſich nämlich bis jetzt nicht ohne gegenſeitigen