Teil eines Werkes 
6. Bdchen (1831)
Entstehung
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1 149 ber, ſollte man Romane nicht vor dem Jahre ſchreiben, wo der alte Deutſche ſeinen ſpielte, und ihn ſogleich in Geſchichte, durch Ehe, verwandelte, nehmlich im dreißigſten Jahre. An Richardſon, Rouſſeau, Goͤthe(nicht im lyriſchen Werther, ſon⸗ dern im romantiſchen Meiſter), an Fielding und vielen bewaͤhrt ſich der Satz. Der Verfaſſer der unſichtbaren Loge hatte von Lichtenberg ſo ſtarke Bußpredigten gegen die Menſchenkunde der deut⸗ ſchen Romanſchreiber und Dichter geleſen, und gegen ihre ſo große Unwiſſenheit in Realien eben ſo wohl, als in Perſonalien, daß er zum Gluͤck den Muth nicht hatte, wenigſtens fruͤher als im acht und zwanzigſten Jahre das romantiſche Wag⸗ ſtuͤck zu uͤbernehmen. Er fuͤrchtete immer, ein Dichter muͤſſe ſo gut wie ein Maler und Bau⸗ meiſter etwas wiſſen, wenn auch wenig; ja er muͤſſe,(die Sache noch hoͤher getrieben), ſogar von Graͤnzwiſſenſchaften(und freilich umgraͤnzen

alle Wiſſenſchaften die Poeſie) manches verſtehen,

ſo wie der Maler von Anatomie, von Chemie, Goͤtterlehre und ſonſt. Und in der That hat ſich Niemand ſo ſtark als Goͤthe der unter allen bekannten Dichtern die meiſten Grundkenntniſſe in ſich verknuͤpft, von der Reichspraris und Rechts⸗ lehre an, durch alle Kunſtſtudien hindurch bis zur Berg⸗ und Pflanzen⸗ und jeder Naturwiſſenſchaſt . A u