Teil eines Werkes 
6. Bdchen (1831)
Entstehung
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150 hinauf, als den feſten und zierlichen Pfeiler

des Grundſatzes hingeſtellt, daß erſt ein Dichter,

welcher Licht in der einen und andern Sache hat, ſich kann hoͤren laſſen, ſo daß ſich's hier verhielte mit den Dichtungen, wie mit den Pflanzen, welche bei aller Nahrung durch Waͤrme, Feuchte und Luft, doch nur Fruͤchte ohne Geſchmack und Brenn⸗ ſtoff bringen, wenn ihnen das Sonnenlicht gebrach.

Gluͤcklicherweiſe hat ſich freilich ſeitdem ſeit dem eingegangenen Predigtamte Lichtenbergs und anderer Proſaiſten ſehr vieles und zwar zum wahren Vortheile der Dichter geaͤndert. Menſchen⸗ ſtudien vorzuͤglich, werden Ihnen von den Kunſt⸗ verſtaͤndigen und Leihleſern voͤllig erlaſſen, weil man dafuͤr deſto mehr im Romantiſchen von ih⸗ nen erwartet und fordert. Daher ſind ſogenannte Charaktere, wie etwa die vorkoͤmmlichen bei Goͤthe, oder gar bei Shakespeare, ja wie nur bei Leſſing gerade das, wodnrch ſich die neueren Roman⸗ und Drama⸗Dichter am wenigſten charakteriſiren,

ſondern es iſt ihnen genug ſobald nur ſonſt

gehoͤrige Romantik da iſt wenn die Charaktere blos ſo halb und halb etwa, etwas vorſtellen, im Ganzen aber nichts bedeuten. Ihre Charaktere oder Menſchenabbilder ſind gute Kanditor⸗ oder Zuckergebilde, und fallen, wie alle Kandis⸗ und Marzipanmaͤnner, ſehr unaͤhnlich, ja unfoͤrmlich,

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