130 Dank;— ohne Zweifel ſind Sie der Herausgeber von Hoffmanns Leben!
Obwohl das, was ich bisher von Hoffmann's Schriften geleſen, mich ergriffen und ergötzt, em⸗ pfand ich doch dabei einen innern Widerwillen, der faſt an Abſcheu gegen den Verfaſſer grenzte. Der Nachlaß hat mich ausgeſöhnt. Hoffmann erſcheint darin in ſeiner Höhe und Niedrigkeit im Zuſam⸗ menhange.
Das Buch macht ein Ganzes durch die Form, welche dem fragmentariſchen Material gegeben iſt.
Merkwürdig iſt, wie ſolche Mittheilung von Selbſtgeſtändniſſen u. ſ. w. ſeit einiger Zeit an⸗ fangen, uns Deutſchen die andern Nationen eige⸗ nen Memoiren zu erſetzen; nur daß bei uns es der Tiefe des geiſtigen Lebens und deſſen Erkenntniß gilt, während es bei den andern das äußere Seyn des Staats⸗ und Geſchäftsmannes betrifft. Doch bei uns nicht weniger hiſtoriſch als bei den an⸗ dern. 3 So lange Menſchen hienieden wandeln, waltet Poeſie und Phantaſie, wenn es auch keine Poeten gähe,— zur Erhaltung der Phantaſie bedürfen wir dieſer Mittheilungen nicht,— wohl aber für die Geſchichte des geiſtigen Lebens, weshalb mir Göthe's Wahrheit und Dichtung eines der wichtig⸗ ſten hiſtoriſchen Werke unter den Deutſchen zu ſeyn ſcheint.


