Teil eines Werkes 
6. Bdchen (1831)
Entstehung
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im Vollgenuß der einen Kunſt und gänzlicher Hin⸗ gebung aller Körper⸗ und Seelenkräfte an dieſelbe ſucht, und:die Erweckung zur wahren Natur⸗ religion, das yeißt, die Gemüther empfänglich gegen die Stimme der Natur zu erhalten, in wel⸗ cher Empfänglichkeit allein die wahre Poeſie liegt. ë

Es iſt klar, daß dieſe Stimmung, welche wir Na⸗

turreligion nannten, mit dem Enthuſiasmus für alle Erſcheinungen in der Natur anfangen muß; denn dem Begreifen geht die ſtaunende Bewunde⸗ rung voran. Zugleich aber ergiebt ſich eben ſo klar, daß dieſer Enthuſiasmus nicht für alle Er⸗ ſcheinungen immer fortdauern darf, wenn das Ge⸗ müth für alle Stimmen der Natur empfänglich bleiben und werden ſoll. Der menſchliche Geiſt iſt nicht ſo reich, um flammenden Enthuſiasmus für alle Erſcheinungen zugleich hegen zu können; es ehört aber auch zu der innigen Liebe, daß ſie nach dem Sturme des Staunens zur freundlichen Ruhe der Betrachtung gekommen iſt.

Giebt es fur den Dichter ein ſchöneres Stre⸗ ben, als das, in ſich die Empfänglichkeit für alles Schöne ewig rege zu erhalten, und ſie auch in An⸗ dern zu erwecken? Die Begriffe von Leben und Poe⸗ ſie ſind an ſich innig verbunden. Aber darin beſteht der Kampf zwiſchen dem ſogenannten Leben und der Poeſie, daß im vegetirenden Fortſchreiten des Erſtern die Letzere ſtirbt. Daher ſagt man: die Poeſie iſt