27 geſelliger Beziehung nichts. Als höchſte Empfeh⸗ lung diente bei ihm die Fähigkeit, ſich durch ihn anſprechen zu laſſen;(er hatte ſich gegen ſeine Freunde geſetzt, wie etwa ein Buch, wenn man es
dinnen, in der Bluͤthe ihres ſchoͤnen Lebens. Nach ihrem Tode fand ihr Gatte, in ihrem Pulte, ein wunderherrliches Gedicht, welches ein Vorgefuͤhl des Hinſcheidens enthaͤlt, und uͤberſandte davon dem Freunde eine Abſchrift⸗ mit dem Bemerken, daß ſeine Frau es wahr⸗ ſcheinlich ſelöſt gedichtet habe. Alſo, ſelbſt der Mann wußte nichts von der Faͤhigkeit der Gattin, ihre reinen Gefuͤhle ſo meiſterhaft aus⸗ zuſprechen. Auch Benedikte Naubert(Verfaſſe⸗ rin des Walter von Montbarry, Herrmann von Unna u. ſ. w.— eine der objektivſten Schrift⸗ ſtellerinnen Deutſchlands, die wirklich Buͤcher, und nicht ihre Thee⸗Zirkel, ſchrieb) ſey unvergeſſen, der, wie ſie dem Herausgeber ſelbſt erzaͤhlte, ihr Verlobter zur Hochzeit ihre eigenen Werke in ſauberen Maroquinbaͤnden ſchenkte, weil er eine Neigung zur Lecture hiſtoriſcher Schriften in ihr bemerkt, und ſich ſelbſt zu den Buͤchern ſeiner nachmaligen Braut, als deren Schoͤpferin er ſie natuͤrlich nicht kannte, vorzugsweiſe hin⸗ gezogen gefuͤhlt hatte.
Dieſe Beiſpiele zeugen von aͤchter Weiblichkeit; — iſt es doch aber eine Erfahrung, ſo alt als die Welt, daß man ſich buͤckt, um das Veilchen zu pfluͤcken, waͤhrend man die Sonnenblume ſtehen laͤßt, wie breit ſie ſich auch am Wege mache.


