Teil eines Werkes 
5. Bdchen (1831)
Entstehung
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ſchaute mit Blicken umher, die jetzt erſt Lebens⸗ kraft,und eine gewiſſe unnennbare, verklärte Hei⸗ terkeit zeigten. Der Kopf ſank ihm auf die Bruſt,

und er ſprach viele leiſe Worte, die jedem der Um⸗

ſtehenden unverſtändlich bleiben. Dann aber ſprang er mit wilder Vehemenz von der Raſenbank auf, breitete beide Arme aus, und rief, daß der Wald von dem Tone ſeiner Stimme wiederhallte:

Gerechte ewige Macht des Himmels, biſt du es ſelbſt, die mich an ihre Bruſt ruft? Ja, es iſt das herrliche, rege Leben, das mich umgiebt, das meiner Bruſt zuſtrömt, ſo daß alle Poren ſich öff⸗ nen, und Raum geben dem ſeligſten Entzücken!

O! Kinder, Kinder, welche Zunge ſingt das Lob, den Preis der Mutter würdig genng; 9! Grün, Grün! mein mütterliches Grün! Nein, ich allein war es, der troſtlos vor dem Throne des Höchſten lag nie haſt du der Menſchheit gezürnt! Nimm mich in deine Arme!

Es war, als wollte der Alte raſch vorwärts ſchreiten, doch knickte er im jähen Krampf zuſam⸗ men, und ſank leblos nieder. Alle erſchraken hef⸗ tig; keiner aber wohl mehr, als der Doktor, der befürchten muße, daß eine gewagte Kur auf ent⸗ ſetziche Weiſe mißlingen könne. Doch nur wenige Secunden war der Alte mit Naphta und Aether bedient worden, als er die Augen wieder aufſchlug. Und nun begab ſich das Merkwuͤrdigſte, was Nie⸗ mand, und am allerwenigſten der Doktor, hatte vermuthen koͤnnen.

Von Wilhelminen und dem Doktor umfaßt, ließ der Alte ſich auf dem ſchoͤnen Platze herumfuͤhren, und immer ruhiger, immer heiterer wurde ſein Antlitz, ſein ganzes Benehmen. und es war herr⸗