Teil eines Werkes 
5. Bdchen (1831)
Entstehung
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ſcheiden, und ſeinen Blick beſonders auf gewiſſe

Baͤume und Buͤſche zu heften.

Onkel Siegfried hat, lispelte mir der Doktor ins Ohr,Onkel Siegfried hat dieſen Ort ſchon ſeit vielen Jahren beſonders geliebt, und in tie⸗ fer Einſamkeit beſucht. Vorzuͤglich mag der wun⸗ derbare Baum auch ſeinen Hang zu wunderlichen Combinationen naturhiſtoriſcher Erſcheinungen ge⸗ weckt, und ihn dieſer romantiſche Platz auch von der Seite beſonders intereſſirt haben.

Noch immer ſaß der Alte, um ſich ſchauend; doch immer weicher und weicher und wehmuͤthiger wurde ſein Blick, bis ein Thraͤnenſtrom ihm aus den Augen ſtuͤrzte. Er faßte mit der Rechten Wilhelminens, mit der Linken des Doktors Hand, und zog ſie heftig neben ſich auf die Raſenbank nieder.

Seyd Ihr es, Kinder! rief er dann mit ei⸗

ner Stimme, deren Seltſamkeit beinahe Schauer

erregend, ein unheimlich verſtoͤrtes Gemuͤth zu verkuͤnden ſchien, welches ſich ſelbſt bekaͤmpft und zu ſammeln verſucht:ſeyd Ihr es wirklich, meine Kinder? 3

O! mein beſter, gütigſter Onkel, ſprach Wilhelmine beſchwichtigend,ich halte Sie ja in meinen Armen Sie ſind ja hier an einem Platz

des Waldes, den Sie ſtets ſo liebten Sie ſitzen

ja unter dem ſelt 4ℳ

Auf einen Wink des Doktors ſtockte Wilhel⸗

mine, und fuhr dann nach beinahe unmerklicher

Pauſe fort, den Lindenzweig erhebend:und die⸗ ſes Zeichen des Friedens, halten Sie es jetzt nicht

in Händen, theuerſter Onkel? Der Alte drückte den Zweig an ſeine Bruſt, und