100
und gefunden, geiſtreiche Worte wechſelt. Die vornehmen Herren behandeln ihn zuweilen ſichtlich als blos tolerirt, welches er ihnen in ſolch' reichli⸗ chem Maße erwiedert, daß ſie beſſer thaͤten, davon abzuſtehen. Wahr iſt es, daß er ſich zuweilen, vorzuͤglich wenn ſein Geiſt auf Dinge geraͤth, in denen man gut thut, die alte Moͤnchsphiloſophie zu befolgen, nach welcher es rathſam, die Welt gehen zu laſſen, wie ſie geht, und von dem Herrn Prior nichts zu reden, als Gutes, viel zu ſehr von dem Feuer wahrhaftiger Ueberzeugung hin⸗ reißen laͤßt, ſo daß die diplomatiſchen Herren nicht ſelten mit angekniffenen Ohren und zugedruͤckten Augen erſchrocken in die entfernteſte Winkel des Saals fliehen. Niemand als Fraͤulein Wilhelmine wußte ihn dann ſo geſchickt zu umkreiſen, daß er ſich ſtets nur bei den vertrauteſten Freunden be⸗ fand, und ſehr bald den Saal verließ.
„Vor einigen Monaten wurde der arme alte Onkel Siegfried von einer ſchweren Nervenkrankheit befallen, aus der ihm eine fire Idee zuruckblieb, die, da ſie feſtſteht, nachdem der Körper geſund iſt, in wirklichen Wahnſinn ausgeartet. Er bil⸗ dete ſich naͤmlich ein, die Natur, erzuͤrnt uͤber den Leichtſinn der Menſchen, die ihre tiefere Er⸗ kenntniß verſchmaͤhten, die ihre wunderbaren, ge⸗ heimnißvollen Arbeiten nur fuͤr ein reges Spiel zu kindiſcher Luſt auf dem armſeligen Tummel⸗


