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Der Vetter. Von den weißen Mehlwagen und den mehlbeſtaubten Muͤhlknappen und Muͤl⸗ lermaͤdchen mit roſenrothen Wangen, jede eine bella molinara, kenne ich gerade auch etwas Ent⸗ gegengeſetztes. Mit Schmerz vermiſſe ich nämlich eine Koͤhlerfamilie, die ſonſt ihre Waare gerade uͤber meinem Fenſter, am Theater feil bot, und jetzt hinuͤbergewieſen ſeyn ſoll auf die andere Seite. Dieſe Familie beſteht aus einem großen robuſten Mann mit ausdrucksvollem Geſicht, markigen Zuͤ⸗ gen, heftig, beinahe gewaltſam in ſeinen Bewe⸗ gungen, genug, ganz treues Abbild der Koͤhler, wie ſie in Romanen vorzukommen pflegen. In der That, begegnete ich dieſem Manne einſam im Walde, es wuͤrde mich ein wenig froͤſteln, und ſeine freundſchaftliche Geſinnung wuͤrde mir in dem Augenblicke die liebſte auf Erden ſeyn. Die⸗ ſem Manne ſteht als zweites Glied der Familie, im ſchneidenſten Contraſt, ein kaum vier Fuß ho⸗ her, ſeltſam verwachſener Kerl entgegen, der die Poſſierlichkeit ſelbſt iſt. Du weißt, lieber Vetter,
daß es Leute gibt von gar ſeltſamem Bau; auf
den erſten Blick muß man ſie fuͤr bucklig erkennen, und doch vermag man bei naͤherer Betrachtung durchaus nicht anzugeben, wo ihnen denn eigent⸗ lich der Buckel ſitzt.
Ich. Ich erinnere mich hiebei des naiven Aus⸗
ſpruchs eines geiſtreichen Militairs, der mit einem


