Teil eines Werkes 
5. Bdchen (1831)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

80

felbſt hinuͤbertraͤgt, und laͤßt ihn ſtehen, ohne ſich im mindeſten um ihn eher zu bekuͤmmern, als bis der Markt geendet iſt, und ſie ihm die ganz, oder nur zum Theil geleerten Koͤrbe wieder aufpackt. Ich. Es iſt doch merkwurdig, daß man die Blindheit, ſollten auch die Augen nicht verſchloſ⸗ ſen ſeyn, oder ſollte auch kein anderer ſichtbarer Fehler den Mangel des Geſichts verrathen, dennoch an der emporgerichteten Stellung des Hauptes, die den Erblindeten eigenthuͤmlich, ſogleich erkennt; es ſcheint darin ein fortwaͤhrendes Streben zu lie⸗ gen, etwas in der Nacht, die den Blinden um⸗ ſchließt, zu erſchauen. Der Vetter. Es gibt fuͤr mich keinen ruͤh⸗ renderen Anblick, als wenn ich einen ſolchen Blin⸗ den ſehe, der mit emporgerichtetem Haupt in die weite Ferne zu ſchauen ſcheint. Untergegangen iſt fuͤr den Armen die Abendroͤthe des Lebens, aber ſein inneres Auge ſtrebt ſchon das ewige Licht zu erblicken, das ihm in dem IJenſeits voll Troſt, Hoffnung und Seligkeit leuchtet. Doch ich werde zu ernſt. Der blinde Landwehrmann bietet mir jeden Markttag einen Schatz von Be⸗ merkungen dar. Du gewahrſt, lieber Better, wie ſich bei dieſem armen Menſchen die Mildthaͤtig⸗ keit der Berliner recht lebhaft ausſpricht. Oft. ziehen ganze Reihen bei ihm voruͤber, und Kei⸗ ner daraus verfehlt ihm ein Almoſen zu reichen.