67 ganz entrückt. Vetter, ich will dir die ſeltſame Schwäche eines Schriftſtellers ganz ohne Rückſicht geſtehen. Ich war wie feſtgebannt an die Stelle — ich trippelte hin und her; was mag das Mäd⸗ chen leſen? Dieſer Gedanke beſchäftigte meine ganze Seele. Der Geiſt der Schriftſtellereitelkeit regte ſich, und kitzelte mich mit der Ahnung, daß es eins meiner eignen Werke ſey, was eben jetzt das Mäd⸗ chen in die phantaſtiſche Welt meiner Träumereien verſetze. Endlich faßte ich ein Herz, trat hinan, und fragte nach dem Preiſe eines Nelkenſtocks, der in einer entfernten Reihe ſtand. Während das Mädchen den Nelkenſtock herbeiholte, nahm ich mit den Worten:„was leſen Sie denn da, mein ſchönes Kind?“ das aufgeklappte Buch zur Hand. Ol all' ihr Himmel, es war wirklich ein Werklein von mir, und zwar**s. Das Mädchen brachte die Blumen herbei, und gab zugleich den mäßigen
Preis an. Was Blumen, was Nelckenſtockz das
Mädchen war mir in dieſem Augenblick ein viel ſchätzenswertheres Publicum, als die ganze elegante Welt der Reſidenz. Aufgeregt, ganz entflammt von füßeſten Autorgefühlen, fragte ich mit anſcheinen⸗ der Gleichgültigkeit, wie denn dem Mädchen das Buch gefalle.„I, mein lieber Herr, erwiederte das Mädchen,„das iſt ein gar ſchnackiſches Buch. Anfangs wird einem ein wenig wirrig im Kopfe; aber dann iſt es ſo, als wenn man mitten darin


