65 Tochter eines Geheimen⸗Oberſinanzraths ein na⸗ türliches, von jeder Ziererei entferntes, Weſen, von ächtem weiblichem Sinn beſeelt, und mit jenem, jedesmal richtig treffenden Verſtande und feinem Takt begabt, der Weibern dieſer Art ſtets eigen. — Hoho, Vetter! das nenn' ich glückliches Zuſam⸗ mentreffen. Hier um die Ecke kommt das Gegen⸗ ſtück zu jenem Bilde. Wie gefällt dir das Mäd⸗ chen, Vetter?
Ich. Ei, welch eine niedliche, ſchlanke Geſtalt! — Jung— leichtfüßig— mit keckem, unbefange⸗ nem Blick in die Welt hinein ſchauend— am Him⸗ mel ſtets Sonnenglanz— in den Lüften ſtets luſtige Muſik— wie dreiſt, wie ſorglos ſie dem dicken Haufen entgegenhüpft— die Servante, die ihr mit dem Marktkorbe folgt, ſcheint eben nicht älter, als ſie, und zwiſchen Beiden eine gewiſſe Cordialität zu herrſchen— die Mamſel hat gar hübſche Sa⸗ chen an, der Shawl iſt modern— der Hut paſſend zur Morgentracht, ſo wie das Kleid von geſchmack⸗ vollem Muſter— alles hübſch und anſtändig— o weh! was erblicke ich, die Mamſell trägt weiß⸗ ſeidene Schuhe. Ausrangirte Ballchauſſüre auf dem Markt!— Ueberhaupt, je länger ich das Mäd⸗ chen beobachte, deſto mehr fällt mit eine gewiſſe Eigenthümlichkeit auf, die ich mit Worten nicht ausdrücken kann.— Es iſt wahr, ſie macht, ſo wie es ſcheint, mit ſorglicher Emſigkeit ihre Einkäufe,


