26—
Liebe, denn die Menſchen verdienen nicht, daß man ſie liebe.— Seltſam, er, welcher immer ein Wort des Hohns und des beißenden Spottes auf ſeiner Lippe trug, er war jetzt ſtumm dieſem holden Geplauder gegenüber, er ſchlug die Augen nieder und erröthete. Das junge Mädchen fuhrt fort: Sieh, dieſes Alles iſt mir wie durch eine göttliche Offenbarung gekommen und ich weiß und kenne Dich, ſo lange ich lebe obwohl ich Dich ſo ſelten, ach, faſt nie geſehen. Aber meine guten Nonnen haben mir immer von Dir erzählt. Sie wiegten als Kind mich ein mit Deinem Namen, und in meinen kindiſchen Träumen ſah ich Dich glänzend und ſtrahlend wie eine Gott⸗ heit. Sie ſpornten mich zur Thätigkeit und zum Fleiße an, indem ſie mir ſagten, daß Du eines Ta⸗ ges kommen würdeſt mich abzuholen, und daß es Dich dann freuen würde, wenn ich fleißig und un⸗ terrichtet ſei. O, wenn ich bei meiner Zeichnung ſaß und arbeitete, da ſind mir dieſe langen, einſamen und lautloſen Tage doch ſchnell vergangen wie ein Gedanke, und ſie waren auch nur ein Gedanke, ein einziger Gedanke an Dich. Und als ſich nun end⸗ lich eines Tages die Zelle öffnete, als Du an der Band der guten Aebtiſſin herein trateſt, welche


