Teil eines Werkes 
2. Band (1850)
Entstehung
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arme kleine Geſchöpf, dem ſie das Daſein gegeben. Kein Schlag ihres Herzens ſpricht für daſſelbe! Sie würde es tödten, wenn ſie nicht zu feig dazu wäre, aber weil ſie es iſt, ſtößt ſie es nur von ſich, und überläßt bezahlten Miethlingen die Sorge für den Sohn der Fürſtin.— So handelt eine Prinzeſſin! Soll ich Ihnen nun ſagen, wie's eine Bettlerin thut? Für ſie gibt's keine Welt und keine Menſchen, denn die Welt kümmert ſich nicht um ſie. Sie wagt es, ihren Kummer und ihre Schmach offen zur Schau zu tragen, ihre Verzweiflung hinaus zu ſchreien in die Luft, und weil ſie denn in der Bitterniß ihres Kummers nicht eine zärtliche Mutter ſein kann, ſo wird ſie eine haſſende Mutter. Sie ſtößt ihr Kind nicht, wie eine Prinzeſſin, mit einem kalten Lächeln von ſich, ſondern mit einem wahnfinnigen Schrei ſchleudert ſie es zur Erde und ſieht mit frohlockendem Zorn das Blut ihres Kindes fließen. Prinzeſſin, welche Mutter nennen Sie ſtrafbarer?

Sie begegnete ſeinem Blick mit einem offenen,

feſten Auge. Die Prinzeſſin! ſagte ſie.

Sie ſind beide gleich ſtrafbar, ſagte Bernthal,

und ich übernahm es, beide zu beſtrafen. Ich ließ

Marie in dem Wahne, daß ſie ihr Kind getödtet

habe, und erſt als ſie geläutert von Strafe und Reue,